KfB und Kronberger Politik in der Berichterstattung....

16.02.2012

Kronberger Bote KW 7 [OCR Scan]

Kein Fragerecht für Bürger in städtischen Fachausschüssen

Kronberg (mw) - Den Bürgern in den Ausschüssen das Recht zu gewähren, vor Eintritt in die Tagesordnung Fragen zu stellen, könnte der Politikverdrossenheit entgegenwirken, so die Überzeugung der KfB, die im Stadtparlament den Antrag einbrachte, den Bürgern dies zu gewähren. Der KfB-Antrag fand in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung jedoch keine Mehrheit. Ebenfalls abgelehnt wurde der UBG-Zusatzantrag, den Dr. Dr. Jürgen Rolffs kurz vorstellte. Er sah eine einjährige Testphase für das Ansinnen der KfB vor, außerdem die thematische Eingrenzung der Fragen entsprechend der Tagesordnung sowie eine zeitliche Einschränkung der Fragerunde. Unterstützer fand die KfB bei ihrem Antrag auch bei den Grünen: Udo Keil plädierte dafür, den Antrag "auch wenn er von der KfB kommt, nicht einfach zur Seite zu legen. Die Bürger sollten die Möglichkeit bekommen, Fragen zu stellen." Das sei für eine Demokratie "zwingend erforderlich" und "unabdingbar". Gerade die jüngste Vorstellung der neuen Rahmenplanung Bahnhof in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) im Lokschuppen habe gezeigt, dass das Interesse der Bürger an dieser Form der Einbindung groß ist. "In den Fachausschüssen sitzen nun einmal die qualifizierten Fachkräfte, die die Fragen der Bürger direkt beantworten können", erläuterte die KfB-Fraktionsvorsitzende Dr. Heide-Margaret Esen-Baur ihren Antrag.
Die SPD sah mit dem Antrag mehr Probleme auf die Ausschusssitzungen zukommen als Hilfestellung für die Bürger. "Wer soll die Fragen dort beantworten?" Die einzelnen Ausschussmitglieder, der Magistrat? fragte SPD-Stadtverordneter Wolfgang Haas. Die Möglichkeit Fragen zu stellen, sei in den Ortsbeiräten gegeben und dort gut aufgehoben. Auf klare Ablehnung stieß der weitere Antrag der KfB, mit dem sie den "Informationsfluss" zwischen Magistrat und den Ausschussmitgliedern verbessern wolle, wie die MB-Stadtverordnete Gabriele Hildmann sich ausdrückte. Die KfB fordert in dem Antrag, den Magistrat dazu auf, im nichtöffentlichen Teil der ASU-Sitzungen Informationen zu "stadtbildprägendenden Bauvorhaben" für die es keinen Bebauungsplan gibt, sowie über Fragen des Vorkaufsrechtes der Stadt zu informieren. Die Koalitionäre CDU und SPD waren sich hier in der Begründung für eine Ablehnung einig: Sie sehen hier die Gewaltenteilung gefährdet, also die Trennung zwischen Parlament und Magistrat, argumentierten der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Becker als auch SPD-Stadtverordneter und stellvertretende Fraktionsvorsitzender Wolfgang Haas. Becker erinnerte außerdem daran, dass der Informationsfluss dank der Magistratsprotokolle gewährleistet sei während Haas der KfB vorwarf, mit diesem Antrag die Fachausschüsse zu "immer kleinteiligerer Arbeit zu bringen". Sie müssten sich dann vermehrt mit Magistratsaufgaben beschäftigen mit dem Ergebnis, dass die "politische Arbeit" mehr und mehr "lahmgelegt" werde. Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) erinnerte innerhalb dieser Debatte daran, dass er angeboten habe über "relevante Dinge" im Ausschuss zu sprechen und das auch schon getan habe - und zwar im öffentlichen Teil der Sitzung, was wohl eher für Transparenz sorge. Dem Antrag der KfB wurde ebenfalls nicht entsprochen.

Kronberger Bote KW 7 [OCR Scan]

"Ja" zur Wirtschaftsförderung, "Aus" für Jugendhaus Villa Winter

Kronberg (mw) - Große Einigkeit demonstrierten die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung bei der Entscheidung, die externe Wirtschaftsförderung und damit Benedikt Graf von Westphalen für weitere zwölf Monate ab April für 48.000 Euro für die Stadt Kronberg zu engagieren. Zuvor hatte die Stadt Kronberg gemeinsam mit ihm detailliert über die Aufgaben, Inhalte, Maßnahmen, Ziele und Controlling der Wirtschaftförderung berichtet und Rede und Antwort gestanden (wir berichteten). Einzig und allein die KfB plädierte dafür, zunächst die Verwaltung "aufzufordern, innerhalb von sechs Wochen ein Papier mit qualifizierten Zielvorgaben vorzulegen, und den Sperrvermerk auf dem Budget bis dahin stehen zu lassen. "Bis heute fehlte eine klare Aussage darüber, was geleistet worden ist und es fehlt die Formulierung einer Zielvorgabe", behauptete die KfB und mit ihr die KfB-Fraktionsvorsitzende Dr. Heide-Margaret Esen-Baur sowie ihre Stellvertreterin, Gabriele Hildmann. Ein breites "Ja" zur Aufhebung des umstrittenen Aufstellungsbeschlusses für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gegenüber vom Falkensteiner Stock und damit die Forderung an den Kreis, die "Abrissverfügung" an dieser markanten Stelle neben den geschützten "Helbigshainer Wiesen", gab an diesem Abend auch. An dieser Stelle, auf der zur Zeit noch eine "rechtswidrig errichtete" Baracke steht, eine Bebauung zuzulassen, hätte "zu einer verhängnisvollen Brückenkopfbildung geführt", so Udo Keil von den Grünen. Einzig und allein der FDP-Fraktionsvorsitzende Volker Stumm stimmte gegen die Aufhebung, Max-Werner Kahl (CDU) und Gabriele Hildmann (KfB) enthielten sich der Stimme.
Für verärgerte Gesichter bereits einen Abend vor dem Stadtparlament hatte das Zaudern der SPD in puncto Anschaffung einer Abdeckplane für das Waldschwimmbad gesorgt. Das zuständige Fachamt hatte bereits im Haupt-, Finanz-, und Petitionsausschuss vorgerechnet, dass sich die Anschaffung einer solchen energieeinsparenden Abdeckplane innerhalb von gut vier Jahren amortisieren würde. Die SPD sah trotz alledem noch Beratungsbedarf. Das führte zu einem Schieben des Antrags auf Einstellung von 100.000 Euro für die Plane. Erster Stadtrat Jürgen Odszuck bestätigte auf Anfrage der Grünen, dass damit die Chance, die Abdeckplane noch für die kommende Saison zu installieren, vertan sei, da die nächste Sitzung des Stadtparlaments erst am 19. April ist und es keinen Sinn mache, die Abdeckplane im laufenden Betrieb (ab Mai) zu installieren.
Die Möglichkeit für eine ausführliche Debatte nutzen die Stadtverordneten noch einmal bezüglich des sensiblen Themas "Schließung des Jugendhauses Villa Winter" (wir berichteten). Zwar herrschte weitgehend Einigkeit darüber (abgesehen von der KfB), das Jugendhaus Villa Winter, das in den letzten Jahren als "nicht gut angenommen" galt, zu schließen. Im Gegensatz aber zu der SPD, die nun "die weitere Konzeption diskutieren will", forderte der Grünen-Stadtverordnete Udo Keil sofort ein, für die Jugendsozialarbeit einen weiteren Jugendpfleger für das Jugendhaus in Oberhöchstadt sowie für die Umsetzung der geplanten aufsuchenden Jugendarbeit einzusetzen. "Wenn man hier an einer Stelle etwas wegnimmt, dann ist es doch nur logisch, es an entsprechender anderer Stelle wieder draufzupacken", argumentierte er. Und wetterte in Richtung SPD: "Habt doch endlich den Mut, ehrlich zu sagen, dass ihr Euch innerhalb der Koalition in diesem Punkt nicht habt durchsetzen können!"
Zugestimmt, wenn auch "mit Bauchgrimmen" zumindest von Seiten der SPD wurde auch der Erhöhung der Essensgeldpauschale in den städtischen Kindertagesstätten und im Hort zur "annähernden Kostendeckung" auf einheitliche 70 Euro. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph König erinnerte in diesem Zusammenhang unabhängig von diesem Beschluss daran, dem Wunsch des Elternbeirats der Kita "Schöne Aussicht" nachzukommen und als nächstes den weiteren Bedarf an Betreuungsplätzen zu thematisieren. "Keine sachliche Begründung" fand König indes für die Absicht der Stadt, die Erhöhung des Essensgeldes "rückwirkend" ab Jahresbeginn einzuführen. "Wir wollen das rückwirkend herausnehmen", untermauerte auch UBG-Fraktionsvorsitzender den SPD-Wunsch. Die Erhöhung der Essensgeldpauschale - jedoch erst ab dem 1. März - wurde daraufhin einstimmig beschlossen.

Kronberger Bote KW 7 [OCR Scan]

Mehrheit stimmt für "Kulturprofil": KfB unterstellt Wertung

Kronberg (mw) - Mit Ablehnung und Unverständnis reagierten die Stadtverordneten auf den referatsähnlichen Redebeitrag der KfB-Stadtverordneten Gabriele Hildmann zum Tagesordnungspunkt "Kulturprofil und Vereinsrichtlinie". In diesem sprach sie zunächst der Verwaltung das Verständnis ab, den Kulturbegriff zu definieren ("Was tiefgründige Philosophen nicht schaffen, nämlich eine allgemeinverbindliche Definition von Kultur, will die Verwaltung schaffen. Das Ansinnen, Kultur in einen Verwaltungstext zu definieren, kann nur als Schildbürgerstreich enden."), um schließlich folgende These aufzustellen: Das Kulturprofil teile die Vereine der Stadt in "nützliche und weniger nützliche Gruppen", also in die mit "Identität und Außenwirkung" und die mit "Identität und Innenwirkung". Diese "Ökonomiesierung der Kultur ist unsinnig", findet Hildmann, die das über eineinhalb Jahre von der Stadt unter Mitwirkung der Kulturinitiative wie des Vereinsrings erarbeitete Kulturprofil nach dieser ganz eigenen Interpretation ablehnt wie auch die Vereinsrichtlinie, solange sie Bezug auf das Kulturprofil nehme.
"Ein Unverschämtheit ist es, das Kulturprofil als Schildbürgerstreich zu bezeichnen", so richtete Bürgermeister Klaus Temmen entrüstet sein Wort an die KfB. "Wenn sie hier von nützlich und unnütz spreche, dann ist das einzig und allein der Versuch, die Vereine gegeneinander auszuspielen", so Temmen. Der CDU-Stadtverordnete Michael Dahmen bezeichnete diese Wertung "eine boshafte Unterstellung" und der CDU-Vorsitzende und Stadtverordnete Reinhard Bardtke erklärte: "Ich hatte ehrlich gesagt, Schwierigkeiten, ihrem Redebeitrag zu folgen." Doch er habe gelernt, dass "Frau Hildmann gerne Fakten verwässert"." Dabei sei bei der jahrelangen Ausarbeitung des Kulturprofils gerade so erfreulich gewesen, dass sich keiner "in den Vordergrund spielen wollte, sondern sich alle gemeinsam um die Ausarbeitung" bemüht hätten, wie Prof. Helried Moosbrugger betonte. "Es ist wichtig, dass wir jetzt ein Kulturprofil haben, mit Leitbildern, Leitlinien und auch einer Selbstverpflichtung."
Ebenso die SPD verlieh ihrer Freude darüber Ausdruck, dass es nun in Kronberg, "wo wir uns seit langem über Kultur definieren", ein entsprechendes Kulturprofil gibt, das als Fundament für glaubwürdige und nachhaltige Kulturarbeit dienen soll. Er richtete außerdem seinen Dank an die drei Damen, die maßgeblich an der Ausarbeitung mitgewirkt haben: Marion Bohn-Eltzholtz, Susanna Kauffels und Dorothee Arden. Auch der UBG-Fraktionsvorsitzende Oliver Schneider wunderte sich über die Interpretation der KfB. Es sei wohl ähnlich wie bei Platon: "Ich muss nur lange genug an die Wand schauen, dann erkenne ich die Wirklichkeit nicht mehr."
Für seine unmissverständlichen Worte: "Ihr Redebeitrag war für die Füße", erhielt er dann auch noch eine Ermahnung seitens der Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann. Mit breiter Mehrheit ohne die zwei KfB-Stimmen wurde das ausgearbeitete Kulturprofil und die Vereinsförderrichtlinie abschließend verabschiedet.

Den Redebeitrag der StV G. Hildmann zum 'Kulturprofil' finden Sie hier.

14.02.2012

Taunuszeitung

PS auf die Straße bringen - Kulturprofil soll Kronbergs Einzigartigkeit besser wahrnehmbar machen

Kronberg hat jetzt ein Kulturprofil. Die Stadtverordneten haben es nach heftiger Debatte angenommen. Ob es greift, wird die Praxis zeigen

Von Boris Schöppner

Kronberg. Wie wichtig das richtige Profil ist, wissen Autofahrer insbesondere an frostigen Tagen zu berichten. Natürlich hat das Kulturprofil nichts mit den Rillen in den Pneus zu tun, doch wie formulierte es ein Besucher der jüngsten Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses treffend? Es gehe darum, die PS auf die Straße zu bekommen, also das Bestmögliche aus dem kulturellen Potenzial der Stadt herauszuholen.

Ganz so pragmatisch wollten allerdings nicht alle Stadtverordnete in der jüngsten Sitzung des Plenums die Diskussion über das Kulturprofil der Stadt Kronberg führen. So war es Gabriele Hildmann, Stadtverordnete der KfB, die der Stadt vorwarf, mit dem Profil die Kultur in "nützliche" und "nicht-nützliche" Kultur unterteilen zu wollen. Nach dieser Lesart seien all jene Kulturangebot nützlich, die dem Image der Stadt dienten, und diejenigen weniger nützlich, die der eignen Bevölkerung zugute kämen. Zudem wandte sich die KfB-Stadtverordnete gegen "jede Ökonomisierung der Kultur" und nannte das gesamte Konzept gar einen "Schildbürgerstreich".

Vereine bieten Vielfalt

Dies wiederum wertete Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) als eine Unverschämtheit und als einen Affront den städtischen Mitarbeiterinnen und anderen Mitwirkenden gegenüber, die in den vergangenen Jahren viel Zeit in die Erarbeitung des Konzeptes gesteckt hätten. Eine Unterteilung in nützliche und nicht-nützliche Angebote nehme die Stadt nicht vor, sondern setzte lediglich die Praxis fort, zwischen allgemeiner und besonderer Förderung zu unterscheiden.

Wolfgang Haas von der SPD-Fraktion sah dies ähnlich, nannte das Profil eine Grundlage, die "glaubwürdige und nachhaltige" Kulturarbeit der Stadt fortzuführen und hob hervor, dass das Konzept der "vereinsgetragenen Vielfalt" den Rücken stärke.

CDU-Stadtverordneter Prof. Dr. Helfried Moosbrugger, der bei der redaktionellen Überarbeitung des Konzepts mitgewirkt hatte, sieht in dem Profil ein "Leitbild" und die "rationale Basis" für die Vergaberichtlinie von Fördermitteln. Und Oliver Schneider (UBG), der der KfB-Fraktion vorwarf, die Realitäten nicht mehr zu erkennen, hält ein Kulturprofil für das "Standardwerk einer jeden Kommune".

Das Kulturprofil wurde von der Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit angenommen, lediglich die KfB-Fraktion stimmte dagegen, während sich die Grünen ihrer Stimme enthielten. Die Richtlinien der Vereinsförderung wurde auch von den Grünen angenommen, hier votierten nur die beiden Stadtverordneten der KfB dagegen. (öp)

Den Redebeitrag der KfB zur Abstimmung 'Kulturprofil und Vereinsförderrichtlinien' finden Sie hier.

13.02.2012

Taunuszeitung

Messbarer Erfolg für Wirtschaftsförderung

Kronberg. Wie lässt sich der Erfolg der städtischen Wirtschaftsförderung messen? Das war eine der großen Fragen, auf die die schwarz-rote Koalition Antworten wollte, als sie für Januar eine Sondersitzung beantragte. Wenn 22 von 24 anwesenden Stadtverordneten für die Freigabe der Haushaltsmittel für die Wirtschaftsförderung votieren, kann dies möglicherweise als Indiz für das erfolgreiche Arbeiten gewertet werden. Denn immerhin wurden bei weiten Teilen der Stadtverordneten die möglicherweise bestehenden Zweifel ausgeräumt.

Wir erinnern uns: In dieser Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses präsentierte der externe Wirtschaftsförderer Benedikt Graf von Westphalen seine bisherigen Aktivitäten. Und auch die Rathausspitze zeigte, was sie unternimmt, um Investoren in die Burgstadt zu locken. Der Tenor: Nach der Phase der Konzeption soll nun begonnen werden, die Ernte einzufahren. Diese Vorstellung scheint fast alle Mandatsträger überzeugt zu haben, lediglich die beiden Stadtverordneten der KfB sahen das offenbar anders. So forderte Dr. Heide-Margaret Esen-Baur, von Westphalen solle binnen sechs Wochen einen verbindlichen Zielkatalog vorlegen, damit die Haushaltsmittel von 36 000 Euro für dieses Jahr freigegeben würden. Die KfB-Stadtverordnete hielt die Präsentation in der Sondersitzung für eine rein theoretische Abhandlung ohne jegliche greifbare Ergebnisse.

Oliver Schneider von der UBG sah das wie die Mehrheit im Plenum anders. Er habe eine "gänzlich andere Veranstaltung" erlebt und zweifelte gar das Realitätsvermögen der KfB-Vertreterin an. Offensichtlich blieben die Vertreterinnen der KfB mit ihrer Auffassung allein, niemand votierte gegen die Aufhebung des Sperrvermerks.öp (öp)

 

Taunuszeitung

Politik der Gefühle -  Sparbeschlüsse werden „schweren Herzens“ und „mit Bauchgrimmen“ getroffen

Weil Kürzen eine undankbare Aufgabe ist, beteuern die Parteien nun, wie weh ihnen die Einschnitte tun.

Von Boris Schöppner

Kronberg. Der Vorwurf, die Sozialdemokraten hätten ihr soziales Gewissen an der Garderobe der großen Koalition abgegeben, hat die Genossen getroffen. Der SPD-Stadtverordnete Wolfgang Haas wollte diesen Vorwurf, den die Grünen im Zusammenhang mit der Schließung des Jugendhauses Villa Winter erhoben hatten, auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. Das galt auch für die Attacke der UBG, die SPD habe in atemberaubendem Tempo alte Positionen geräumt. Nein, so einfach sei das nicht, führte Haas in der jüngsten Stadtverordnetensitzung aus, das neue Konzept der Jugendarbeit sei durchaus kompatibel mit dem eigenen Programm. Und leicht hätten es sich die Sozialdemokraten mit der Zustimmung zur Schließung der Villa Winter nicht gemacht. Viele Stunden sei über das Thema diskutiert worden. Die Sozialdemokraten stimmten der Schließung des Hauses in Kronberg zu, wollen aber eine breite Diskussion über das künftige Jugendpflegekonzept, die mögliche Einbindung eines ausrangierten Feuerwehrfahrzeuges und die mögliche Kooperation mit der Altkönigschule.

Auch die Grünen stimmen der Schließung des Jugendhauses zu, wenngleich sie dies eher verschämt tun. So schlug Thorsten Keller in seiner Rede erst einmal auf die Vertreter von CDU, SPD, UBG und FDP ein, die seiner Ansicht nach in "schönster Einmütigkeit" erklärt hatten, sich mit der Schließung des Jugendhauses abgefunden zu haben. Seines Erachtens sei in der Ausschussdiskussion die Schließung des Jugendhauses nicht ausreichend erörtert worden. Gegen Ende seiner Rede sagte Keller dann: "Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und die Schließung der Villa Winter als Jugendhaus mitzutragen – schweren Herzens." Voraussetzung dafür sei allerdings, dass dem Jugendhaus Oberhöchstadt, wo sich nun die Aktivitäten der Jugendpflege konzentrieren werden, mehr Personal- und Sachmittel zur Verfügung gestellt würden. Mit ihrem Zusatzantrag konnten sich die Grünen nicht durchsetzen.

Kita-Essen wird teurer

Auch ein Antrag der KfB, in dem gefordert wurde, "den Magistrat zu beauftragen, die personellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Jugendarbeit in der Villa Winter umgehend wieder aufgenommen werden kann", fand keine Mehrheit. Dr. Heide-Margaret Esen-Baur und Gabriele Hildmann blieben mit ihrem Ansinnen in der namentlichen Abstimmung allein.

Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung votierte für die Anhebung der Verpflegungspauschale in städtischen Kindertagesstätten auf einheitlich 70 Euro pro Kind und Monat. Bislang war das Essensgeld gestaffelt: Für Krabbel- und Kitakinder mussten 50 Euro, für Hortkinder 60 Euro gezahlt werden. Christoph König, Fraktionschef der SPD, hatte angekündigt, der Stadtverordnetenvorlage "mit Bauchgrimmen" zuzustimmen. Zudem wurde der Passus kassiert, wonach die Erhöhung des Essensgeldes rückwirkend zum 1. Januar erfolgen soll. König kündigte zudem an, mit allen Beteiligten über Alternativkonzepte bei der Mittagsversorgung diskutieren zu wollen.

Beschlossen wurde auch die Gebührenerhöhung für das Waldschwimmbad. Da dies ohne Aussprache in der Sitzung geschah, ist nicht übermittelt, was die Politiker dabei fühlten. (öp)

11.02.2012

Taunuszeitung

Kein Fragerecht für Bürger - In Fachausschüssen dürfen Kronberger nur zuhören

Bürger dürfen auch künftig ihre Fragen nur bei den Sitzungen des Ortsbeirats stellen.

Kronberg. Den Bürgern wird auch künftig nicht das Recht eingeräumt, vor den Sitzungen der Fachausschüsse Fragen zu stellen. Der Antrag der KfB, in dem ein solche Fragerecht vor Eintritt in die Tagesordnung gefordert wurde, fand in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung keine Mehrheit.

Das Gleiche gilt für den Zusatzantrag der UBG-Fraktion, die sich für eine einjährige Testphase, eine thematische Eingrenzung und eine zeitliche Beschränkung der Fragezeit ausgesprochen hatte. Diesen pragmatischen Vorschlag hatte Dr. Dr. Jürgen Rolffs von der UBG vorgestellt. Im Laufe der Sitzung wurde allerdings über lange Strecken wesentlich grundsätzlicher argumentiert. Im ursprünglichen KfB-Antrag wurde "Bürgernähe" ins Feld geführt, die mit dem Fragerecht nur in den Ortsbeiratssitzungen nicht erreicht werden könnte. Udo Keil von den Grünen plädierte dafür, "den Antrag nicht einfach zur Seite zu schieben, auch wenn er von der KfB kommt". Den Bürgern müsse man das Gefühl geben, ernst genommen zu werden, sagte Keil auch unter dem Eindruck einer gut besuchten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) zum Thema Bahnhofsgestaltung Ende Januar.

Christoph König, Fraktionschef der SPD, fand indes, dass der KfB-Antrag mehr Probleme aufwerfe als Hilfestellung zu leisten. Er sah in der Ausweitung des Fragerechts auf die Fachausschüsse keine Verbesserung und plädierte dafür, es in den Ortsbeiräten zu belassen.

Von mächtigem Geschützdonner war die Diskussion um einen weiteren KfB-Antrag begleitet: Darin ging es darum, dass der Magistrat im nichtöffentlichen Teil der Tagesordnung des ASU über Entscheidungen zu stadtbildprägenden Bauvorhaben in Gebieten für die es keinen Bebauungsplan gibt, sowie über Fragen der Ausübung des Vorkaufsrechts der Stadt berichten soll. Damit solle der Informationsfluss verbessert werden, sagte Stadtverordnete Gabriele Hildmann (KfB), "damit die Mandatsträger wissen, was in ihrer Stadt los ist".

Andreas Becker, Fraktionschef der CDU, machte deutlich, warum seine Fraktion den Antrag ablehnte, denn sie sehe darin sogar die Gewaltenteilung gefährdet, also die Trennung zwischen Parlament und Magistrat. Außerdem sei der Informationsfluss gewährleistet, weil die Fraktionsvorsitzenden die Magistratsprotokolle erhielten. In eine ähnliche Kerbe schlug Wolfgang Haas (SPD). Er hält es zudem für unzumutbar, dass sich die Stadtverordneten mit Aufgaben befassen sollen, die zum laufenden Geschäft des Magistrats gehörten. Er warf der KfB vor, die politische Arbeit durch immer kleinteiligere Aufgaben zu blockieren.

Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) wies darauf hin, dass er angeboten habe, im Ausschuss über relevante Vorhaben zu berichten – und zwar öffentlich. Der Antrag der KfB wurde abgelehnt.

 

09.02.2012

Kronberger Bote KW 6 [OCR Scan]

Jugendhaus-Schließung: Konsequente Entscheidung oder gefährlicher Abbau?

Kronberg. - Die Kronberger Liberalen finden die Schließung des Jugendhauses Villa Winter (wir berichteten) als "Entwicklung bedauerlich", den Beschluss jedoch "konsequent". "Die KfB verdreht hier die Tatsachen: Es ist nicht so, dass die Jugendlichen nicht kommen, weil das Projekt nicht attraktiv ist, sondern wir beenden ein Angebot, weil die Jugendlichen nicht kommen", sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Volker Stumm. Was habe Kronberg nicht alles versucht, sagt er. "Man kann uns sicherlich nicht vorwerfen, keinen langen Atem bewiesen zu haben. Wie stolz waren wir vor Jahren bei der Eröffnung. Hunderttausende Euro wurden investiert, um der Jugend die Villa schmackhaft zu machen. Ohne Erfolg", so die FDP. Im gesamten Hochtaunuskreis gäbe es wohl kein ansprechenderes und besser ausgestattetes Jugendhaus als die Villa Winter. "Doch von Beginn an blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück - trotz vorbildlichem Engagement der Sozialarbeiter und einem Freizeit-Portfolio, das ich mir zu Jugendzeiten nicht einmal zu wünschen gewagt hätte", erklärt Stunun. Weder das "stylische Ambiente", noch Workshop- und Ausflugs-Aktivitäten - wie Paintbrushing oder Kanufahrten auf der Lahn - hätte die Zielgruppe auch nur im Ansatz zu einem Besuch der Villa bewegen können. "Noch nicht einmal ein kostenfreier Internet-Anschluss für Chatten und Spielen. Einzig der Probenraum für Nachwuchsbands wurde frequentiert. Dies wird ja auch im Jugendhaus Oberhöchstadt fortgesetzt", so Stumm. Im Gegenteil, der Zuspruch sei stetig zurückgegangen, sodass die nicht unerheblichen Kosten letztlich nur für eine leider sehr überschaubare Anzahl von Kindern und Jugendlichen investiert worden seien. "Wie traurig. Aber die Jugendlichen haben mit den Füßen abgestimmt", so Stumm. "Und diejenigen, die wir insbesondere als Zielgruppe im Auge hatten, die lärmend-pöbelnden Platzhirsche, die nachts auch nicht den Schulgarten und den Victoriapark verschonen, konnten wir nie erreichen." Hier müsse die "aufsuchende Jugendarbeit" ansetzen:"Laut Bürgermeister Klaus Temmen ist es sinnvoll, hierfür einen ausrangierten Feuerwehr-Wagen zu nutzen. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen", findet der FDP-Fraktionsvorsitzende. Und er betont abschließend: "Wir können uns glücklich schätzen, mit Marion Bohn-Eltzholtz und Uwe Urban zwei Koryphäen ihres Faches in Diensten der Stadt zu haben. Die Leiterin des Fachbereiches Soziales und der Guru der Kronberger Jugendlichen leisten mit ihren Teams tagtäglich eine Arbeit, die viel zu selten öffentlich gewürdigt wird."
Ganz anders sieht der Ausländerbeirat - auch nach den Informationen in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses - die beabsichtigte Schließung des Jugendhauses Villa Winter. "Sie ist der letzte Höhepunkt einer Einschränkung der Jugendarbeit der Stadt", kritisiert die Ausländerbeiratsvorsitzende, Michaela Maass scharf. "Da ein -Teil der Jugendlichen in Kronberg einen Migrationshintergrund hat, macht sich der Ausländerbeirat schon seit Mitte letzten Jahres Sorgen über den fortschreitenden Abbau der Jugendarbeit", sagt sie. Zum großen Bedauern des Ausländerbeirates sei der Vertrag des Streetworkers und Sozialarbeiters nicht verlängert worden, obwohl eine Lösung "ohne große finanzielle Belastung" hätte getroffen werden können. "Dies war aus unserer Sicht eine Fehlentscheidung, da der Migrationshintergrund dieses Sozialarbeiters für die Integration der Jugendlichen eine sehr gute Grundlage war", erläutert Maass.
Richtig sei, dass die praktische Jugendarbeit nicht ausschließlich auf einem einzigen Jugendpfleger lasten könne. Im Rahmen des sogenannten "Thekendienstes" in der Villa Winter ist es dem Ausländerbeirat unverständlich warum hier nicht nach einer obesseren Lösung gesucht wurde. "Es gibt hier kostengünstige Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit, zum Beispiel mit dem Stadtjugendring, der Jungen Union oder den Jusos. "Gerade junge Politiker sollten sich für Jugendliche in ihrem Umfeld interessieren, mit ihnen sprechen und sich für ihre Belange einsetzen", findet die Vorsitzende des Ausländerbeirats. "Da es jetzt anscheinend, trotz schwieriger Haushaltslage möglich ist, neue 25- bis 30-Stunden-Stellen für Verwaltungstätigkeiten auszuschreiben, sollte es doch auch möglich sein, eine zusätzliche Stelle für die Jugendarbeit für die Villa Winter zu finanzieren", meint sie und gibt weiter zu bedenken: "Eine Folge der infrage gestellten Zukunft des Hauses Villa Winter ist auch die Gefährdung der seit zehn Jahren erfolgreichen ehrenamtlichen Integrationsarbeit unseres Projektes ,Mama lernt Deutsch', bei dem Frauen mit Migrationshintergrund kostenlos in der deutschen. Sprache unterrichtet werden." Der "immer stärker voranschreitende Abbau der Jugend- und Integrationsarbeit" werde sich auch in der Sozial- und Erziehungsarbeit rasch bemerkbar machen, warnt sie. "Wir bitten deshalb die Verantwortlichen der Stadt, der Jugend- und Integrationsarbeit den notwendigen Stellenwert einzuräumen", so appelliert Maass an das soziale Gewissen aller Mitentscheider. "Wir sind gegen das Auslaufenlassen von personellen und räumlichen Ressourcen, ohne dafür annehmbare alternative Lösungen gefunden zu haben." (mw)

 

Kronberger Bote KW 6 [OCR Scan]

KfB betrachtet Hotelgröße kritisch, die Mehrfamilienhäuser als passend

Kronberg. - "Es ist begrüßenswert, dass eine neue Rahmenplanung für dieses Areal vorgelegt wurde", meldet sich die KfB zu der städtischerseits neu justierten Rahmenplanung Bahnhof zu Wort (wir berichteten). Zum Areal Hotelbebauung merkt die KfB allerdings an: "Auf den ersten Blick sieht das sehr sympathisch aus: mehr Grün, Blickachsen, ein neuer Fußweg. Da aber nach wie vor die Anzahl der vorgesehenen Zimmer und Nebenräume nicht reduziert werden soll, besteht die Gefahr, dass die Gebäude höher als -bisher geplant werden." Die Planung sieht für die Eingangshalle eine Höhe von doppelter Geschosshöhe vor, so die KfB. "Darüber entwickeln sich vier weitere Stockwerke. Das heißt, wir stoßen hier auf eine Gebäudehöhe von zirka 18 Metern! Dabei ist es fraglich, ob damit die angestrebte Zimmerzahl, 120 bis 150, untergebracht werden kann." Das solle vom Planer im Vorfeld detailliert nachgewiesen werden:; "Insgesamt gesehen, stehen wir der Hotelplanung im jetzigen Umfang kritisch gegenüber. Ein kleineres Hotel und Apartmenthaus in dieser Lage ist durchaus denkbar, würde aber bedeuten, dass die Zimmerzahl und die Geschosszahl stark reduziert werden müssten. Wir geben zu bedenken, dass der Hotelmarkt in und um Frankfurt weitgehend gesättigt ist. Alteingesessene Hotels in Kronberg würden mit starken Einbüßen rechnen müssen", befürchtet die KfB, allen voran die KfB-Fraktionsvorsitzende Dr. Heide-Margaret Esen-Baur sowie die KfB-Stadtverordnete, Gabriele Hildmann.
Die Pläne für die Wohnbebauung entlang der Ludwig-Sauer-Straße betreffend, stellt die KfB fest: "Hier werden, im Gegensatz zu früheren Planungen, erstaunlich mehr Wohneinheiten angestrebt: Mietwohnungen anstatt Reihenhäuser. Die KfB führt dazu weiter aus: "Darüber hinaus sind zusätzliche Gewerbegebäude vorgesehen. Die Situation der Grünfläche im Bereich der Böschung ist verändert und unklar: es scheint, dass die Mehrfamilienhäuser auf Kante zur Ludwig-Sauer-Straße stehen, die auf der Seite noch nicht einmal einen Gehweg. vorhält. Möglicherweise führt diese Verdichtung, 70 bis 80 Wohneinheiten plus zwei Gewerbegebäude, zu einer höheren als bisher vorgesehenen Geschosszahl dieser Gebäude", merken
die beiden an. "Insgesamt gesehen, heißen wir es gut, dass die Planung hier nicht länger Reihenhäuser vorsieht." Mehrfamilienhäuser, die weniger für Familien mit Kindern, sondern wohl eher für junge, flexible Erwachsene oder auch für Senioren angedacht sind, halten wir für dieses Areal für angemessener. Ebenso biete sich dieses Areal für "weißes Gewerbe" an. Allerdings erscheint ihnen das neuangedachte Gewerbegebäude zwischen Hotel und Lokschuppen "zu groß und die Lage unglücklich". Außerdem erscheint ihnen die "Mischung von beiden Zielgruppen "schwierig, wohl aber nicht ganz ausgeschlossen". Es sei aber darauf zu achten, dass der Grüngürtel erhalten bleibe und dass es zu keiner Verschattung zur Ludwig-Sauer-Straße komme.
Was die Verkehrsproblematik betrifft, so fordert die KfB, hierzu zunächst ein Verkehrskonzept zu erarbeiten. "Sollte der hier vorliegende Rahmenplan mit nur wenigen Änderungen umgesetzt werden, so müssen wir davon ausgehen, dass mehrere hundert neue Verkehrsteilnehmer in diesem Gebiet wohnen werden, die die anliegenden Straßen befahren und den Bahnübergang queren werden. Ob dies auf den vorhandenen Straßen möglich ist, gilt es zu klären bevor die Planungen beschieden werden."
Die Vorstellung, alle Park- und Ride-Parkplätze nach Kronberg-Süd zu verlegen, erscheint der KfB außerdem unrealistisch, "einmal aufgrund der jetzt schon schwierigen Verkehrsbelastung der Frankfurter Straße, zumindest in Stoßzeiten, und des immer noch ungelösten Kreuzungsumbaus am Sodener Stock". Weitere Themen, die sie noch behandelt wissen wollen, sind die Verlegung der technischen Anlagen der Deutschen Bahn, "die", laut Hildmann, "von ihrem jetzigen Standort entfernt werden müssen. Am jetzigen Standort soll ja der Busbahnhof entstehen. Wo ist der Standort für diese Schaltanlage in Zukunft vorgesehen?", fragen sie und erinnern an die Kosten, die damit auf die Stadt in Höhe eines "hohen sechsstelligen Eurobetrags" zukommen würden. Und außerdem wollen sie wissen: "Wo im Rahmenplan ist das Blockheizkraftwerk oder eine andere energieeffiziente Anlage für die Energieversorgung für dieses Baugebiet vorgesehen." (mw)

 

08.02.2012

Taunuszeitung

Wieso? Weshalb? Warum?
Geht es nach der KfB, sollen Bürger künftig auch in Sitzungen der Ausschüsse Fragen stellen dürfen

Ist das Fragerecht der Bürger in den Ausschüssen ein probates Mittel gegen Politikverdrossenheit? Die KfB glaubt daran.

Von Boris Schöppner

Kronberg. Über mehr Bürgerbeteiligung wird immer häufiger diskutiert – als Mittel gegen Politikverdrossenheit, als Instrument der Transparenz, als Versuch, Proteste in geordnete Bahnen zu lenken. Auch die KfB macht sich für "Bürgernähe" stark, die nach ihrer Definition bedeutet, "dass Bürgern die Möglichkeit eingeräumt wird, Fragen auch in den Fachausschüssen zu stellen". In den Ortsbeiräten habe sich das bereits bewährt, allerdings, so die Argumentation der KfB, sei dies nicht ausreichend. Denn: "Häufig können im Fachausschuss Fragen wesentlich detaillierter und zeitnäher beantwortet werden, als dies in den Sitzungen der Ortsbeiräte möglich ist." Weil die entsandten Mitglieder des Magistrats in den Ortsbeiratssitzungen oft Fragen nicht direkt beantworten könnten, würden sich die hauptamtlichen Magistratsmitglieder oder die Verwaltung erst nach der Sitzung mit den Fragen befassen, die Antwort liege dann nach Wochen in der nächsten Ortsbeiratssitzung vor. "Das ist für die Bürger unbefriedigend und führt zu weiterer Politikverdrossenheit, aber auch zu unnötigen Widerständen und Klagen der Bürger", heißt es in dem Antrag vom Juli 2011, der bei der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung auf der Tagesordnung steht. Das Plenum tagt am morgigen Donnerstag von 19.30 Uhr an im Rathaus.

Nur vor der Sitzung

Das Fragerecht soll vor Eintritt in die Tagesordnung gelten, eine wichtige Voraussetzung, um nicht mit der Hessischen Gemeindeordnung in Konflikt zu geraten. Aus diesem Grund hält Andreas Feldmann, Leiter des Fachbereichs Verwaltungssteuerung, die Formulierung im Antrag, wonach den Bürgern ein Fragerecht "in" den Sitzungen der Fachausschüsse einzuräumen sei, für problematisch. In einer Sitzung hätten die Bürger schlicht kein Recht, sich zu Wort zu melden, das sei einzig den Ausschussmitgliedern, den Magistratsvertretern sowie geladenen, sachkundigen Bürgern vorbehalten.

Christoph König, Fraktionschef der SPD, weiß noch nicht, wie seine Fraktion und die der CDU mit dem KfB-Antrag umgehen werden. An dem Ansinnen, den Bürgern die Möglichkeit zum Fragen einzuräumen, hat er nichts auszusetzen. Allerdings dürfe die Fragestunde nicht dazu genutzt werden, Themen aus dem üblichen Verfahren herauszuziehen. "Eine Diskussion mit den Bürgern im Ausschuss kann es nicht geben", sagt der Sozialdemokrat, denn schließlich handele es sich bei den Bürgern um eine zufällige Auswahl – ohne Mandat. König befürchtet, dass der Antrag der KfB in der Praxis dazu führen könnte, dass sich der Spielraum der Ausschussvorsitzenden verringert, flexibel auf die jeweilige Situation und das jeweilige Thema einzugehen.

Geringes Echo

In der vergangenen Woche gab es gleich drei Beispiele dafür, wie mit Bürgeranfragen in Ausschusssitzungen umgegangen wurde. In der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt mussten sich die Bürger nach der Präsentation der Pläne für das Bahnhofsareal gedulden, bis der Vorsitzende Max-Werner Kahl (CDU) die (verkürzte) Sitzung beendete, bevor sie Fragen stellen durften. Eine Unterbrechung der Tagesordnung, um die Fragen vorzuziehen, sei ihm vom Sitzungsdienst nicht gestattet worden. In der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses durften Bürger explizit während der Präsentation der Vereinsförderrichtlinien Fragen stellen, erst danach begann der offizielle Teil der Sitzung. Allerdings war nur ein Bürger anwesend. Und schließlich meldeten sich bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zwei Frauen zu Wort, die etwas zur Verpflegungspauschale in den städtischen Kindertagesstätten sagen wollten. Ihre Beiträge wurden dann offiziell von der Leiterin des Fachbereichs in das Gremium eingebracht. Möglich, dass ein einheitlich geregeltes Fragerecht die Attraktivität der Ausschusssitzungen steigern würde. Doch das müsste sich in der Praxis bewähren.

In Bad Homburg, die KfB hatte die Kurstadt als Beispiel angeführt, habe sich das Fragerecht der Bürger vor Eintritt in die Tagesordnung bewährt, berichtet Stadtsprecher Andreas Möring. Die Regelung wurde im Mai 2011 beschlossen. Und die Resonanz: "Das Echo ist da, aber eher gering." (öp)

 

03.02.2012

Taunuszeitung

KfB bleibt bei Hotelgröße skeptisch

Kronberg. Gemischt fällt die Reaktion der KfB auf die Rahmenplanung für das Quartier Bahnhof aus. Auf der einen Seite begrüßt die Fraktion, dass es eine neue Planung gibt und dass das Hotel weniger massiv als früher ausfallen soll. Andererseits bleibt die KfB skeptisch: "Insgesamt gesehen, stehen wir der Hotelplanung in dem jetzigen Umfang kritisch gegenüber. Ein kleineres Hotel und Apartmenthaus in dieser Lage ist durchaus denkbar, würde aber bedeuten, dass die Zimmerzahl und die Geschosszahl stark reduziert werden müssten", heißt es in einer Pressemitteilung. Und: "Wir geben zu bedenken, dass der Hotelmarkt in und um Frankfurt weitgehend gesättigt ist. Alteingesessene Hotels in Kronberg würden mit starken Einbüßen rechnen müssen."

Positiv bewertet die KfB, dass die Planung auf dem Areal zwischen Ludwig-Sauer-Straße und Bahngleisen keine Reihenhäuser mehr vorsieht. "Mehrfamilienhäuser, die weniger für Familien mit Kindern, sondern wohl eher für junge, flexible Erwachsene oder für Senioren gedacht sind, halten wir für angemessener."

Ebenso bietet sich aus Sicht der KfB dieses Areal für "weißes Gewerbe" an. Allerdings: "Eine Mischung von beiden Zielgruppen erscheint uns schwierig, wohl aber nicht ganz ausgeschlossen." Sollte ein solcher Mix gewünscht sein, dann hält es die Fraktion für sinnvoll, Mehrfamilienhäuser im nördlichen und Gewerbe im südlichen Bereich vorzusehen. "Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass der Grüngürtel erhalten bleibt und dass es zu keiner Verschattung zur Ludwig- Sauer-Straße führt."

Zudem fordert die KfB ein Verkehrskonzept, das die Situation am Bahnhof und in Kronberg-Süd berücksichtigt. "Die Vorstellung, alle Park- und Ride-Parkplätze nach Kronberg-Süd zu verlegen, erscheint uns unrealistisch, einmal aufgrund der jetzt schon schwierigen Verkehrsbelastung der Frankfurter Straße, zumindest in Stoßzeiten, und des immer noch ungelösten Kreuzungsumbaus am Sodener Stock", finden die beiden KfB-Stadtverordnete Dr. Heide-Margaret Esen-Baur und Gabriele Hildmann.

Und so recht mit dem neu in die Pläne aufgenommenen Bürogebäude zwischen Hotel und Lokschuppen können sie sich auch nicht anfreunden.öp (öp)

 

02.02.2012

Taunuszeitung

Eine Frage der Qualität
Fachausschuss debattiert über „Quartier Bahnhof“ – Anwohner befürchten Nachteile

Von Boris Schöppner

Kronberg. Über große Publikumsresonanz konnten sich am Dienstagabend die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt freuen: Der Andrang im Lokschuppen war so groß, dass die aufgereihten Stühle nicht für alle Interessierten ausreichten. Die Bürger wollten nicht nur hören, wie der Erste Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos), die Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt, Dr. Ute Knippenberger, und der Schweizer Investor Angelo Labate die Pläne vorstellen, sondern sie wollten auch ihre Fragen loswerden. Nach der ausführlichen Präsentation wuchs die Ungeduld beim Publikum. Als sich abzeichnete, dass die Bürger nicht sofort zu Wort kommen würden, sondern die Ausschusssitzung erst zu Ende geführt werden sollte, verließen einige den Sitzungsort. Wer etwas mehr Geduld bewies, wurde belohnt: Die Stadtverordneten fassten sich kurz, der Ausschussvorsitzende Max-Werner Kahl (CDU) schloss den offiziellen Teil der Sitzung zügig.

Einigen der Anwesenden erschien das Hotelgebäude auch nach der neuen Planung noch zu massiv oder zumindest zu hoch, andere störten sich an der geplanten Wohnbebauung, weil ihnen dort Reihenhäuser lieber wäre als Geschosswohnungsbau, und wieder andere hakten nach, was aus den vielen Stellplätzen werden soll, die es derzeit auf dem Bahnhofsgelände gibt.

Da es sich nicht um eine architektonische Endplanung handele, sondern um einen städtebaulichen Rahmenplan, wies Odszuck mehrfach auf übergeordnete Entwicklungen, Vorgaben und Überlegungen hin. So stellte er die Frage: "Ist es richtig, diese wichtigen Plätze für kostenloses Parken zu nutzen?" Odszuck warb für die Idee, die "P&R"-Parkplätze in Kronberg-Süd anzusiedeln, weil dort die Verkehrsanbindung wesentlich geeigneter sei als am Bahnhof.

Der Stadtrat betonte, dass in Kronberg neu über den Wohnungsbau nachgedacht werden müsse. Der Hintergrund: Zwischen 2000 und 2009 ist die Bevölkerung in der Burgstadt um 6,4 Prozent geschrumpft, während die meisten Kommunen in der Rhein-Main-Region einen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen haben. Zudem pendelten täglich mehr als 9000 Menschen nach Kronberg zur Arbeit. Darunter sei möglicherweise auch der eine oder andere, der gerne näher an seinem Arbeitsplatz wohnen würde.

Keine Reihenhäuser

Die vorgestellten Pläne sehen zwischen 42 und 50 Wohnungen auf dem Areal vor, das zwischen Ludwig-Sauer-Straße und den S-Bahn-Gleisen liegt. Odszuck hält die dreigeschossigen Wohnhäuser im Vergleich zu den früher geplanten Reihenhäusern für die urbanere und angemessenere Bauform.

Der Stadtrat warb dafür, Maßzahlen nicht zum Maß aller Dinge zu machen, sondern sich erst einmal mit "Qualitäten" und der Frage auseinanderzusetzen, was für die Umgebung gut oder schlecht ist. Der künftige Bahnhofsplatz brauche ein Hotel mit "angemessener Höhe" für die Raumbildung. Ob drei, vier oder fünf Stockwerke eine "gute Höhe" seien, werde sich erst bei der weiteren Planung herausstellen. (öp)

 

Taunuszeitung

Villa Winter: Schicksal besiegelt
Sozialausschuss stimmt Schließung des Kronberger Jugendzentrums zu – Oberhöchstadt wird gut angenommen

In der Praxis ist das Jugendzentrum Villa Winter schon längst "vom Netz". Jetzt wurde die Schließung vom Fachausschuss festgezurrt. Die Sozialarbeiter sind gar nicht traurig drum.

Von Boris Schöppner

Die Mitarbeiter des Jugendzentrums in Oberhöchstadt dürften die Entscheidung des Kultur- und Sozialausschusses am Mittwochabend mit Erleichterung aufgenommen haben. Nicht, dass sie sich freuen, dass das Jugendzentrum Villa Winter im Zentrum Kronbergs dicht gemacht wird. Aber die Sicherheit, dass sie sich jetzt auf die Arbeit in Oberhöchstadt konzentrieren können, dürften sie begrüßen. Darauf, dass sie sich jetzt daran machen können, ihre neue pädagogische Konzeption in die Praxis umzusetzen, haben sie sich gefreut. Eine langwierige Diskussion in den politischen Gremien wäre den engagierten Mitarbeitern wie verlorene Zeit vorgekommen. Eine Zeit der Verunsicherung, denn wie sollten sie sich auf die neuen Aufgaben einstellen, wenn es nun eine politische Mehrheit gegeben hätte, die Villa Winter doch noch als Jugendzentrum zu halten, das Jugendzentrum mit aller Gewalt am Leben zu halten?

Punkt des Umbruchs

In der Sitzung machte Marion Bohn-Eltzholtz, die Leiterin des Fachbereichs Soziales, Kultur und Bildung, noch einmal darauf aufmerksam, dass die Villa Winter auch ohne Stellenkürzung an einem "Umbruchpunkt" angekommen war, an einem Punkt, an dem überlegt werden musste, wie es mit dem Jugendzentrum hätte weitergehen sollen. Denn obwohl der Raum top ausgestattet war, gingen die Besucherzahlen zurück. Das ursprüngliche Konzept hat, so erzählen es zumindest die Sozialarbeiter, nicht mehr gegriffen.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: So sollten Jugendliche von der Straße, beziehungsweise vom Berliner Platz und aus dem Schulgarten geholt werden, die sich dort zum Saufen trafen. Den Nachschub für das feuchte Hobby erhielten sie ganz praktisch beim örtlichen Supermarkt. Nun lässt sich leicht vorstellen, dass sich nicht jeder Jugendlicher oder junger Erwachsener, der hochprozentige Alkoholika trinken will, von einem Angebot in einem Jugendzentrum angesprochen fühlt. "Wir können nicht alle Jugendliche erreichen", erklärte Sozialarbeiter Uwe Urban. Schließlich könne man Jugendliche nicht dazu zwingen, das Jugendzentrum zu nutzen. Zudem hätte ein zum Teil schwieriges Klientel dafür gesorgt, dass andere Jugendliche der Villa fernblieben.

Wäre die Stelle in Kronberg nicht gekürzt worden, wäre für die Villa Winter ein neuer Schwerpunkt gesetzt worden: der der Jugendkulturarbeit, schließlich eignet sich der große Raum vor allem für Veranstaltungen. Ein solches Konzept wäre vermutlich jedoch nicht geeignet gewesen, jene Jugendliche anzusprechen, die in der Öffentlichkeit unangenehm aufgefallen waren.

"Ressourcen orientiert" nennt Bohn-Eltzholtz die Entscheidung, die Arbeit in Oberhöchstadt zu konzentrieren. Die Praxis hat übrigens jene Befürchtungen widerlegt, wonach Kronberger Jugendliche das Angebot in Oberhöchstadt nicht annehmen würden. Am Freitag vor einer Woche erlebten die Mitarbeiter im Juz Oberhöchstadt einen regelrechten Run. Rund 60 Jugendliche waren gekommen, darunter auch etliche aus Kronberg. "Wir waren froh, dass wir zu viert waren", erzählte Andreas Ramp.

Die Fraktion der Grünen macht sich ohnehin sorgen darüber, ob die Personaldecke in Oberhöchstadt ausreicht, um die Mehraufgaben zu bewältigen. Mit einem entsprechenden Antrag scheiterten sie jedoch in der jüngsten Sitzung. Sie hatten eine Aufstockung der Stellen und des Sachmittelpostens gefordert.

Keines der Ausschussmitglieder votierte für den Antrag der KfB-Fraktion, die dafür plädiert hatte, "die personellen Voraussetzungen zu schaffen, dass die Kinder- und Jugendarbeit in der Villa Winter umgehend wieder aufgenommen werden kann".

Noch nicht überzeugt zeigten sich die Stadtverordneten von der Idee, ein ausgedientes Feuerwehrfahrzeug für die Jugendarbeit zu nutzen. An dem Konzept, wie das Gefährt eingebunden werden kann, feilen Stadtverwaltung und Sozialarbeiter noch. (öp)

 

Kronberger Bote KW 5 [OCR Scan] 

Streit um die Jugendarbeit Wie soll es weitergehen?

Kronberg (mw) - Noch geht es nicht um ein möglicherweise komplett neues Raumkonzept für die Villa Winter, in deren Erdgeschoss das Jugendhaus untergebracht war, das auf Grund fehlenden Personals zum Jahresende von der Stadt geschlossen worden war. Zunächst geht es um die Ausrichtung der Jugendarbeit für das kommende Jahr - bei nach wie vor klammer Kassenlage der Stadt Kronberg. Die neue Konzeption für die Jugendarbeit, die die Fachbereichsleitung für "Soziales, Kultur und Bildung" gemeinsam mit den vorhandenen Jugendsozialarbeitern, die jeweils eine 30-Stunden-Stelle inne haben, ausgearbeitet hat, fußt auf der Grundlage, nass kein weiterer Sozialarbeiter eingestellt werden kann. "Die Chance, die ich in dem neuen Konzept sehe, ist, dass wir viel stärker auf die Jugendlichen zugehen", so Marion Bohn-Eltzholtz, die das neue Konzept auch gestern im Ausschuss für Kultur und Soziales noch einmal vorstellte. "Wir sehen zwei große Aufgabenbereiche, erstens, den Jugendlichen in Kronberg ein Angebot an Freizeitaktivitäten zu bieten und zweitens, sie im Einzelfall bei Problemen zu unterstützen." Ein umfunktioniertes Feuerwehrauto soll dabei als mobile Einsatzstätte für Projekt und Veranstaltungen dienen. Wie das im Einzelnen funktionieren werde, eben auch mit den vorhandenen Kapazitäten (die beiden Sozialarbeiter kümmern sich vorrangig um das gut angenommene Jugendhaus Oberhöchstadt), werde sich Stück für Stück zeigen.
Die SPD, die zunächst der Schließung des Jugendhauses innerhalb der Koalition mit der CDU auf Grund des fehlenden Personals zugestimmt hat, will das Konzept für Jugendarbeit allerdings "nicht einfach durchwinken", wie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Haas sich ausdrückt. "Wir sehen hier auf jeden Fall noch Beratungsbedarf, denn mir ist noch nicht klar, wie neben dem laufenden Betrieb im Oberhöchstädter Jugendhauses noch aufsuchende Jugendarbeit geleistet werden soll." Persönlich hat Haas nach den vergangenen Jahren, in der die Jugendarbeit gerade in der Kernstadt auf Grund andauernder Problematiken sogar zeitweise um ein Streetworkerteam verstärkt worden war, Bauchschmerzen damit, wenn in Kronberg nun "womöglich ein Vakuum entstehen würde". Die SPD will sich nun erst mal schlau machen und auch ausloten, ob man über die Sozialarbeit an der Altkönigschule Synergieeffekte nutzen könne. Bevor hier eine zu große Lücke in der Jugendarbeit entstehe. will sich die SPD in jedem Fall auch "mit dem Koalitionspartner darüber auseinandersetzen". "Vielleicht", so Haas, "können wir zumindest auf Honorarbasis etwas machen."
Der CDU-Stadtverbandschef und CDU-Stadtverordnete Reinhard Bardtke sieht ebenfalls noch "Informations- und Beratungsbedarf". "Das Thema Jugendarbeit ist für uns sehr wichtig. Uns fehlen hier aber noch Informationen zu dem städtischen Konzept für die Jugendarbeit. Wir wollen Gespräche führen und die Hintergründe verstehen." Erst nach der Bedarfsanalyse könne geschaut werden, wie mit den vorhandenen Mitteln am Optimalsten zu rangieren sei.
Die Grünen indes warnen davor, mit der Schließung des Jugendhauses in der Kernstadt gleichzeitig das Angebot für Jugendliche in Kronberg zu verschlechtern. Fraktionsvorsitzende Petra Fischer-Thöns sagt dazu: "Die Jugendarbeit in unserer Stadt muss ihren Stellenwert behalten. Wenn sich künftig die bisherigen Besucher der ,Villa Winter' im Jugendzentrum Oberhöchstadt treffen sollen, dann braucht man dort mehr Mitarbeiter und auch mehr Geld."
Deshalb beantragen die Grünen, zusätzlich zu den zwei Sozialarbeiterstellen eine weitere Stelle im Umfang von 38,5 Stunden pro Woche vorzusehen. "Faktisch wäre die derzeitige Praktikantenstelle in eine dritte Stelle umzuwandeln", so Fischer-Thöns. "Und die Sachmittel sollten um 20.000 Euro erhöht werden."
Dabei verschließen sich die Grünen nicht der Idee. das ausgemusterte Einsatzfahrzeug der Feuerwehr als zusätzliches mobiles Angebot zu nutzen. .,Hier erwarten wir aber aus dem Rathaus noch ein tragfähiges konkretes Konzept", erklären sie. "Nun sind wir auf das Abstimmungsverhalten der SPD im Stadtparlament gespannt", fügt die Grünen-Stadtverordnete Mechthild Schwetje hinzu: "Wir hoffen, dass die SPD ihr soziales Gewissen beim Eintritt in die Koalition mit der CDU nicht an der Garderobe abgegeben hat."
Weiter noch geht die KfB, "die nicht hinzunehmen" will, "dass die Sanierung des kommunalen Haushalts zuerst zu Lasten der Kinder und Jugendlichen betrieben werden soll. An anderen - weniger sensiblen - Stellen bestehen schließlich noch ausreichend Möglichkeiten, Personalausgaben zu reduzieren", ist sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der KfB sicher, die an die schwierige Situation am Berliner Platz. die der Grund dafür war, die Jugendeinrichtung gerade in der Villa Winter anzusiedeln, erinnert wissen möchte. Auch als die Videoüberwachung des Berliner Platzes beschlossen worden sei, sei klar gewesen, dass in jedem Fall präventive Jugendarbeit diese Maßnahme ergänzen müsse. "Die zusätzlichen flankierenden Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit, sind inzwischen leider ausgelaufen. Und nun soll auch noch die Jugendeinrichtung an diesem zentralen Ort geschlossen werden", moniert Hildmann, die auch die Idee, durch einen Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit in der Altkönigschule den Wegfall der Jugendarbeit in der Kernstadt zu kompensieren, für "unrealistisch" hält. Hildmann dazu: "Weniger als die Hälfte der jungen Kronberger zwischen elf und 19 Jahren besuchen überhaupt die AKS." Zudem seien Auszubildende, genau wie Haupt- und Realschulabgänger, die eine berufsbildende Schule besuchen, von den jugendpflegerischen Maßnahmen an der AKS ausgeschlossen. "Das Verhalten der Stadt ist deshalb völlig unverständlich", findet die KfB. "Aktuell wird eine 25-Stunden-Stelle für Archivarbeiten- und Kulturmanagement ausgeschrieben, eine 30-Ständen-Jugendpflegerstelle soll aus Kostengründen jedoch nicht wieder besetzt werden", kritisiert sie. Nicht ganz nachvollziehbar findet auch der Ausländerbeirat. warum die Stadt das Geld für eine Einstellung einer Archivarin hat, aber kein Geld für eine zusätzliche Jugendpflegestelle in die Hand nehmen will: "Das ist das falsche Signal an alle Jugendlichen", sagt die Ausländerbeiratsvorsitzende Michaela Maass, die sich schon heute "große Sorgen über die Zukunft der Villa Winter" macht.

 

30.01.2012

Presseerklärung der KfB zur aktuellen Rahmenplanung 'Bahnhofsgelände'

Rahmenplanung Bahnhof


Es ist begrüßenswert, dass eine neue Rahmenplanung für dieses Areal vorgelegt wird.
Aufgrund früherer Entscheidungen der städtischen Gremien sind inzwischen zwei der
von der Planung erfasen Areale (Lokschuppen und Bahnhofsgebäude) nicht länger
Planungsgegenstand. Aufgrund ihrer jeweiligen aufwendigen und anspruchsvollen
Gestaltung kommt diesen Bereichen jedoch eine besondere Leitfunktion für die noch
zu beplanenden Areale zu.
Unser Blick richtet sich somit vornehmlich auf die Areale Hotel und Wohnbebauung.
Hier ist festzustellen, dass der jetzige Rahmenplan für beide Bereiche weitreichende
Änderungen zu vorherigen Planungen vorsieht:


Was den Hotelkomplex betrifft, so stellen wir fest, dass eine aufgelockertere
Bebauung als ursprünglich vorgesehen, angestrebt wird. Auf den ersten Blick sieht
das sehr sympathisch aus: mehr Grün, Blickachsen, ein neuer Fußweg. Da aber nach
wie vor die Anzahl der vorgesehenen Zimmer und Nebenräume nicht reduziert
werden soll, besteht die Gefahr, dass die Gebäude höher als bisher geplant werden.
Die Planung sieht für die Eingangshalle eine Höhe von doppelter Geschoßhöhe vor.
Darüber entwickeln sich vier weitere Stockwerke. Das heißt, wir stoßen hier auf eine
Gebäudehöhe (ohne Dach) von ca. 18 m! Dabei ist es fraglich, ob damit die
angestrebte Zimmerzahl (120-150) untergebracht werden kann. Dies ist vom Planer
detailliert nachzuweisen, sonst könnte es geschehen, dass die drei Gebäude im Laufe
der weiteren Planung jeweils um noch ein weiteres Geschoß erhöht werden müssten.
Insgesamt gesehen, stehen wir der Hotelplanung in dem jetzigen Umfang kritisch
gegenüber. Ein kleineres Hotel und Apartmenthaus in dieser Lage ist durchaus
denkbar, würde aber bedeuten, dass die Zimmerzahl und die Geschoßzahl stark
reduziert werden müssen. Wir geben zu bedenken, dass der Hotelmarkt in und um
Frankfurt weitgehend gesättigt ist. Alteingesessene Hotels in Kronberg würden mit
starken Einbüßen rechnen müssen.

Was die Wohnbebauung entlang der Ludwig-Sauer-Straße betrifft, so stellen wir
fest, dass hier, im Gegensatz zu früheren Planungen, erstaunlich mehr Wohneinheiten
angestrebt werden: Mietwohnungen anstatt Reihenhäuser. Darüber hinaus sind
zusätzliche Gewerbegebäude vorgesehen. Die Situation der Grünfläche im Bereich
der Böschung ist verändert und unklar: es scheint, dass die Mehrfamilienhäuser auf
Kante zur Ludwig-Sauer-Straße stehen, die auf der Seite noch nicht einmal einen
Gehweg vorhält. Möglicherweise führt diese Verdichtung (70-80 WE plus zwei
Gewerbegebäude) zu einer höheren als bisher vorgesehenen Geschoßzahl dieser
Gebäude. Für diese sechs Gebäude sind Tiefgarageneinfahrten von der Ludwig-
Sauer-Straße aus vorgesehen. Der mit dieser Planung hier zusätzlich generierte
Verkehr müsste über die Ludwig-Sauer-Straße abgewickelt werden und betrifft natürlich auch die Situation des Bahnübergangs.

Insgesamt gesehen, heißen wir es gut, dass die Planung hier nicht länger Reihenhäuser
(für junge Familien!) vorsieht. Mehrfamilienhäuser, die weniger für Familien mit
Kindern, sondern wohl eher für junge, flexible Erwachsene oder auch für Senioren
angedacht sind, halten wir für dieses Areal für angemessener. Ebenso bietet sich
dieses Areal für weißes Gewerbe an. Eine Mischung von beiden Zielgruppen
erscheint uns schwierig, wohl aber nicht ganz ausgeschlossen. Sollte ein solcher Mix
gewünscht sein, dann erscheint es uns sinnvoll, Mehrfamilienhäuser im nördlichen
und Gewerbe im südlichen Bereich vorzusehen. Auf jeden Fall ist darauf zu achten,
dass der Grüngürtel erhalten bleibt und dass es zu keiner Verschattung zur Ludwig-
Sauer-Straße führt.
Was die Verkehrsproblematik betrifft, so stellen wir fest, dass hierzu zunächst ein
Verkehrskonzept zu erarbeiten ist. Sollte der hier vorliegende Rahmenplan mit nur
wenigen Änderungen umgesetzt werden, so müssen wir davon ausgehen, dass
mehrere Hundert neue Verkehrsteilnehmer in diesem Gebiet wohnen werden, die die
anliegenden Straßen befahren und den Bahnübergang queren werden. Ob dies auf den
vorhandenen Straßen möglich ist, gilt es zu klären bevor die Planungen beschieden
werden.
Der Rahmenplan sieht keine Park- und Ride-Plätze vor. Er sieht auch keine
öffentlichen Parkplätze dieses neuen Siedlungsgebietes vor. Laut Stellplatzsatzung
sind im öffentlichen Raum nochmal ein Zehntel der vorhandenen privaten Parkplätze
zu schaffen. Die Vorstellung, alle Park- und Ride-Parkplätze nach Kronberg-Süd zu
verlegen, erscheint uns unrealistisch, einmal aufgrund der jetzt schon schwierigen
Verkehrsbelastung der Frankfurter Straße, zumindest in Stoßzeiten, und des immer
noch ungelösten Kreuzungsumbaus am Sodener Stock.
Weitere Themen, die in der Planung bisher nicht kenntlich gemacht wurden, sind die
Verlegung der technischen Anlagen der Deutschen Bahn, die von ihrem jetzigen
Standort entfernt werden müssen. Am jetzigen Standort soll ja der Busbahnhof
entstehen. Wo ist der Standort für diese Schaltanlage in Zukunft vorgesehen? Erwerb
der Fläche, Abbau und Verlegung der Schaltanlage beinhaltet Kosten, die auf die
Stadt zukommen, in Höhe von einem hohen sechsstelligen Eurobetrag. Wo im
Rahmenplan ist das Blockheizkraftwerk oder eine andere energieeffiziente Anlage
für die Energieversorgung für dieses Baugebiet vorgesehen?
Das neu angedachte Gewerbegebäude zwischen Hotel und Lokschuppen erscheint zu
groß und die Lage unglücklich.


Dr. Heide-Margaret Esen-Baur - Fraktionsvorsitzende der KfB 
Gabriele Hildmann - Stadtverordnete

22.01.2012

Presseerklärung der KfB zur Kinder- und Jugendarbeit in der Villa Winter

Die KfB-Fraktion hat beantragt, die personellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Kinder- und Jugendarbeit in der Villa Winter umgehend wieder aufgenommen werden kann.
2011 war aufgrund einer Wiederbesetzungssperre eine freigewordene Jugendpflegerstelle nicht wiederbesetzt worden. Die Stadt Kronberg argumentiert nun, dass mit nur einem verbliebenen Jugendpfleger die Kinder- und Jugendarbeit in der Villa Winter nicht fortgesetzt werden könne und möchte die Einrichtung schließen. Aus unserer Sicht ist es nicht hinzunehmen, dass die Sanierung des kommunalen Haushalts zuerst zulasten der Kinder und Jugendlichen betrieben werden soll. An anderen - weniger sensiblen - Stellen bestehen schließlich noch ausreichend Möglichkeiten Personalausgaben zu reduzieren.

Es war die schwierige Situation am Berliner Platz, die der Grund dafür war, die Jugendeinrichtung gerade in der Villa Winter anzusiedeln. Auch als die Videoüberwachung des Berliner Platzes beschlossen wurde, war klar, dass in jedem Fall präventive Jugendarbeit diese Maßnahme ergänzen müsse. Die zusätzlichen flankierenden Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit, sind inzwischen leider ausgelaufen. Und nun soll auch noch die Jugendeinrichtung an diesem zentralen Ort geschlossen werden.

Die Idee, durch einen Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit in der Altkönigschule den Wegfall der Jugendarbeit in der Kernstadt zu kompensieren, ist unrealistisch. Weniger als die Hälfte der jungen Kronberger zwischen 11 und 19 Jahren besuchen überhaupt die AKS. Zudem sind Auszubildende, genau wie Haupt- und Realschulabgänger, die eine berufsbildende Schule besuchen, von den jugendpflegerischen Maßnahmen an der AKS ausgeschlossen.
Völlig unverständlich ist deshalb das Verhalten der Stadt. Insbesondere, da diese aktuell eine 25-Stunden-Stelle für Archivarbeiten- und Kulturmanagement ausschreibt, eine 30-Stunden-Jugendpflegerstelle aus Kostengründen jedoch nicht wieder besetzen will. Das ist nicht nachvollziehbar und aus der Sicht der KfB auch nicht akzeptabel. Bei Abwägung der Interessen, ist uns die Jugendarbeit in der Kernstadt wichtiger, als die Kapazitäten im Kultur- und Archivbereich auszuweiten.

Die Entwicklung, Integration und Stärkung unserer Kinder und Jugendlichen ist ein wichtiges Anliegen - auch in Kronberg. Nachhaltige Jugendarbeit zum Vorteil der Kinder- und Jugendlichen sowie aller Bürger sieht anders aus. Die KfB möchte nicht erleben, dass einmal mehr Geld für Sicherheitsdienste bereit gestellt werden muss, das in der Prävention weitaus besser angelegt wäre.

16.12.2011 

Kronberger Bote KW 50 [OCR Scan] 

Haushalt 2012: Stadtverordnete bringen erste Beschlüsse auf den Weg

Kronberg (pu) - Der Deckel ist noch nicht endgültig auf dem Etat für das kommende Jahr, weil bei einigen Punkten noch abschließender Klärungsbedarf besteht. Aus diesem Grund werden der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses o (HFA) Karl-Heinz Gräber (CDU) und Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) Anfang des kommenden Jahres auch zu erneuten Kamingesprächen einladen. Dennoch haben die Kronberger Stadtverordneten in der letzten Sitzung dieses Jahres mit den Stimmen von CDU, SPD und UBG erste Beschlüsse auf den Weg gebracht.

Beschlossene Veränderungen

So ist die Anhebung der Grundsteuer B um 30 Punkte auf 330 Punkte ebenso beschlossene Sache wie die Anhebung der Hundesteuer um pauschal 20 Prozent (statt 60 Euro nun 72 Euro mehr pro Jahr für den ersten Hund und dementsprechende Steigerung auch für jeden weiteren Hund) und die Erhöhung der Straßenreinigungsgebühr zum 1. Januar 2012. Damit liegt der Deckungsgrad der Straßenreinigungsgebühr künftig bei 90 Prozent, die restlichen zehn Prozent werden von der Stadt getragen. Bisher hatten sich Stadt und Bürger die Kosten je zur Hälfte geteilt. "Die Mehrbelastung für den Bürger liegt im niedrigen Eurobereich, statt 1,03 Euro pro laufenden fiktiven Frontmeter sind nun 1,91 Euro zu zahlen", so Andreas Feldmann, Leiter des Fachbereichs Verwaltungssteuerung. Eine Veränderung wird es auch bei der Abfallsatzung geben. Hier konnte laut Feldmann durch den Wechsel zur Firma Knettenbrech + Gurdulic (wir berichteten) eine Reduzierung der Kosten um 25 Prozent erreicht werden, die über die Gebühren für die Altpapiertonne an die Verbraucher direkt weiter gegeben werde.

Ernste Situation

Bereits innerhalb der Haushaltsberatungen war klar geworden: das strukturelle Haushaltsdefizit für 2012 beträgt knapp 6,1 Millionen Euro - doch der Handlungsspielraum der Stadt ist begrenzt. Die vom Kreis beschlossene Erhöhung des Hebesatzes für Kreis- und Schulumlage zusammen auf 58 Prozentpunkte kostet die Stadt beispielsweise rund 290.000 Euro mehr. Ein Posten, an dem nicht gerüttelt werden kann.
Die Koalition aus CDU und SPD hatte schon im Sommer im Koalitionsvertrag festgelegt, Kahlschläge vermeiden zu wollen, schmerzliche Einschnitte konnten dagegen nicht vermieden werden. Die Kunstschule kam zwar dann doch etwas glimpflicher davon, muss statt 20.000 Euro "nur" noch 10.000 Euro im kommenden Jahr sparen, doch verkürzte Öffnungszeiten bei der Stadtbücherei werden zwecks einer Einsparsumme von 50.000 Euro wahr werden (wir berichten).
Beratungsbedarf gibt es dagegen unter anderem noch bei der Sanierung der Taunushalle nachdem bekannt geworden war, dass zusätzlich zu den im Raum stehenden 200.000 Euro für Dach und Fassade auch noch 45.000 Euro für eine neue Heizung folgen sollen.

"Akt der Mutlosigkeit"

In den Reihen der Opposition regt sich Widerstand. "Wir müssen uns ernsthaft die Frage stellen, ob wir angesichts der Haushaltslage drei Bürgerhäuser in Kronberg benötigen", argumentierte Dr. Judith Jackson von den Grünen, die zuvor Lob an Verwaltung und Magistrat für die geleistete Arbeit verteilt hatte und die im gleichem Atemzug der CDU/SPD-Koalition eine "erkennbare Strategie" bescheinigte. "Wir hätten die Prioritäten jedoch anders gesetzt, erst Ökologie dann Ökonomie", so Jackson, die Selbstbewusstsein gegenüber der Wirtschaft vermisst und sich eine Anhebung der Gewerbesteuer gewünscht hätte. Jacksons Mitstreiter Bernhard Klother-Karrenberg ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach von einem "Akt der Mutlosigkeit". Die Koalition könne nach einem halben Jahr nichts vorweisen, habe keine Visionen. "Ich befürchte, wenn wir nicht bald an die heiligen Kühe gehen, dann fliegt der Haushalt aus der Kurve", setzte er noch einen drauf. Die Fraktion der Grünen, die dem Etat nicht zustimmte, war im Besonderen darüber erzürnt, dass die abschließende Entscheidung über die Anschaffung einer Abdeckplane für das Schwimmbad - Kostenpunkt 100.000 Euro - im HFA nun nochmals vertagt wurde. Es soll abgewartet werden, bis die Verwaltung eine Amortisationsrechnung vorgelegt hat. Darüber hinaus steht noch eine weitere Kalkulation aus. Es soll ermittelt werden, wie sich die Senkung der Wassertemperatur auf die Energiekosten auswirkt.
Der UBG-Fraktionsvorsitzende Oliver Schneider plädierte für eine flexiblere Wärmegestaltung: "Morgens zwischen 7 und 8 Uhr ist das Waldschwimmbad kein Spaßbad sondern ein Sportbad, da benötigen wir keine 24 Grad Wassertemperatur." Den "erkennbaren Sparwillen" aller Fraktionen lobte der UBG-Frontmann, wenngleich auch -er an der einen oder anderen Schraube am liebsten mehr gedreht hätte. "Mir erschließt sich nicht, warum der Freiwilligen Feuerwehr Kronberg eine dritte Wärmebildkamera für 15.000 Euro bewilligt werden soll."

"Das kann sich kein Wirtschaftsunternehmen leisten!"

Harte Worte fand Schneider für die Entscheidung der Erhöhung der Grundsteuer B. "30 Prozent Erhöhung, das könnte sich kein Wirtschaftsunternehmen leisten." Dennoch stimmte die UBG dem Etat zu. im Gegensatz zur FDP, die sich enthielt. Dietrich Kube begründete diese Entscheidung mit den "wenig befriedigenden Einsparungen".

KfB zückt "rote Karte"

Mit Kritik nicht hinter dem Berg hielt die KfB in Person von Dr. Heide-Margaret Esen-Baur. Die "rote Karte" gab es sowohl für den Etat als auch für die Verwaltung,. Sie bemängelte den "Verkauf von Tafelsilber", prangerte die ihrer Meinung nach unprofessionelle Wirtschaftsförderung an, die viel zu spät angesetzt habe. "Hat man es möglicherweise schon vor Jahren versäumt, notwendige Vorbedingungen für künftige Ansiedlungen zu schaffen." Wirtschaftsförderung dürfe nicht in erster Linie reagieren sondern müsse stetig agieren. Ihre Aussage "Seit 2006 wurden keinerlei Personalkosteneinsparungen erzielt, obwohl sie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurden", konterte Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) mit den Worten: "Wir haben
uns an den Stellenabbauplan gehalten, doch die dadurch entstandenen finanziellen Mittel wurden durch vier Tariferhöhungen und die Veränderungen, die durch die Doppik erforderlich geworden sind, gerade wieder aufgezehrt." Dass die Verwaltung nichts tue "ist eine Lüge!"

Gebot der Nachhaltigkeit

"Kronberg hat verstanden", meldete sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph König zu Wort. Die SPD sei mit dem Etat nicht zufrieden, viel mehr sei aber nicht heraus zu holen gewesen. Durch die Gebührenerhöhungen kämen rund eine Millionen Euro in die Kasse, diese Belastung sei dem Bürger zumutbar. "Das sind in Zahlen 56 Euro für jeden!" König nahm die Kronberger darüber hinaus in die Pflicht "mehr Fantasie" an den Tag zu legen und lenkte den Blick auf die sommerliche Verkleidungsaktion "Burgturm als Maggiflasche". "Bisher waren sich die Vereine für solche Dinge zu vornehm, aber das werden wir uns künftig nicht mehr leisten können."
Karl-Heinz Gräber (CDU) legte an diesem Abend noch einmal den Standpunkt der Koalition dar. "Das ist keine Spaßveranstaltung, die Koalition übernimmt Verantwortung!" Man orientiere sich am Ziel der Nachhaltigkeit. Gräber appellierte: "Wir müssen mit dem Geld der Bürger ebenso sorgsam umgehen wie jede Familie zu Hause, die auch nicht mehr ausgeben kann als sie hat, wenn sie nicht Gefahr laufen will in eine dramatische Schuldenfalle zu geraten!"
Mit Blick auf die Zukunft machte Gräber deutlich: "Wir sind bei weitem noch nicht am Ende des Weges, es wird mehrere Jahre dauern, bis der Ausgleich des Haushaltes wieder erreicht ist."

 

03.11.2011

Kronberger Bote KW 44 [OCR Scan] 

KfB-Antrag findet keine Mehrheit

Kronberg (pu) - Auf Antrag der Wählergemeinschaft "Kronberg für Bürger" (KfB) sollten die Stadtverordneten im Rahmen der jüngsten Versammlung über die nach Meinung der KfB ungeklärte Rechtslage im Fall von Immobiliengeschäften, sogenannten "Kompensationsgeschäften", beraten. Jedoch gab es von 30 stimmberechtigten Abgeordneten nach kurzer aber intensiver Debatte lediglich zwei Befürworter (KfB) bei vier Enthaltungen (Bündnis 90/Die Grünen). Damit war der Antrag ebenso wie im Haupt- und Finanzausschuss abgewiesen. Normalerweise beschäftigt sich vorwiegend der Magistrat mit Immobilienangelegenheiten dieser Art. Sobald der Verkaufserlös jedoch den Schwellenwert von 250.000 Euro überschreitet, müssen die Stadtverordneten darüber beraten. Auslöser für den Antrag war ein aktuell geplantes Vorhaben, das im Sommer auch durcho 'Wählergemeinschaft in Form einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit geraten war (wir berichteten).
Die Reaktion aus dem Rathaus hatte nicht lange auf sich warten lassen. Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) zeigte sich tief enttäuscht über diese Vorgehensweise. "Grundstücksgeschäfte und Immobilien sind rechtlich nun einmal nicht öffentlich zu behandeln". Die beiden Parlamentarierinnen Dr. Heide-Margaret Esen-Baur und Gabriele Hildmann hielten ihrerseits dagegen, "ein genereller Ausschluss der Öffentlichkeit auch bei Immobiliengeschäften ist nach der Geschäftsordnung der Stadt ausgeschlossen" und in diesem Fall lägen begründete Bedenken vor, weil unter anderem kein Gutachten zur Feststellung des Marktwertes eingeholt worden sei.
Während der Haupt- und Finanzausschuss vor vier Wochen noch in nicht öffentlicher Sitzung dem Ansinnen der KfB eine Absage erteilt hatte, sah Gabriele Hildmann nun die Chance gekommen, doch noch öffentlich über den Antrag beraten zu lassen. Doch jeder ihrer Versuche zur Erklärung in das eine oder andere Detail zu gehen, wurde von Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann mit dem Hinweis "der Ältestenrat hat beschlossen, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Gesprächsinhalte bekannt werden sollen", abgeblockt.
Erster Stadtrat Jürgen Odszuck sah sich in diesem Zusammenhang nochmals zu der Aussage veranlasst, er könne keine ungeklärte Rechtslage erkennen. "Der Magistrat käme nicht im Traum auf die Idee, ohne Kenntnis des Marktwertes ein solches Kompensationsgeschäft auf den Weg zu bringen". Es gäbe auch noch andere Methoden, statt der kostspieligen "Beschäftigungstherapie: "Gutachten einholen".

15.09.2011

Kronberger Bote KW 36 [OCR Scan] 

Nachtragshaushalt beschlossen - KfB wirft Verwaltung Scheitern beim Sparen vor

Kronberg (mw) - Eigentlich ist der Nachtragshaushalt ein "unspektakulärer". So jedenfalls formulierte es der SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph König, der an diesem Abend allein für die neue Koalition ein Statement ablieferte. Bei einem Defizit von 9,45 Millionen Euro in der Haushaltskasse verwundert das wenig. Es gibt keinen Spielraum mehr für große Gestaltungen. So begann die jüngste Stadtparlamentssitzung denn auch ruhig, ja freundschaftlich, mit Laugengebäck für alle, spendiert vom CDU-Stadtverordnetennachrücker Stefan Möller in Erinnerung an alte Zeiten, wo das "immer so war". Es folgte die feierliche Vereidigung von Adam Bettenbühl zum ehrenamtlichen Stadtrat, da er an der vergangenen Stadtverordnetenversammlung bei der Vereidigung der Magistratsmitglieder verhindert war. Und es folgte zunächst die Erkenntnis seitens der SPD, dass die Änderungen im Nachtragshaushalt eigentlich für alle "zwingend" sind. Mit dem Defizit erhöhe sich allein der Druck, strukturell etwas zu ändern. "Wir müssen uns nicht mehr mit Zahlen, sondern mit den Rahmenbedingung der Haushaltspolitik beschäftigen", so König. Aus diesem Grund habe man bereits mit der Budgetierungsrichtlinie kontrollierend den Daumen auf alle Mehrausgaben gelegt - die Verwaltung muss jetzt bei einer zehnprozentigen Erhöhung der Haushaltsansätze in den Teilhaushalten im Quartalsbericht darüber und über die Gründe informieren. König mahnte bei diesem Punkt an, dass das Berichtswesen immer noch "nicht störungsfrei laufe". Außerdem forderte er die Verwaltung auf, klarer vorzugeben, wo weiter gespart werden kann. "Wir wissen, dass der Personalabbau mit der Reduktion von Leistungen und Qualitätsabbau einhergeht. Wir haben gesagt, dass wir dazu stehen und die Konsequenzen tragen werden." Doch die Verwaltung müsse aufzeigen, welcher Wegfall, beispielsweise in der Stadtbücherei oder an anderer Stelle welche Konsequenzen nach sich zöge. Ohne eine solche Grundlage könnten keine Entscheidungen
getroffen werden, betonte er. Doch Gabriele Hildmann, stellvertretende KfB-Fraktionsvorsitzende, sah die Sachlage aus einer ganz anderen Perspektive: "Wir Politiker haben doch längst alles getan, um den strukturellen Problemen im Haushalt Herr zu werden", befand sie. Schließlich habe man bereits 2006 zu diesem Zweck ein Haushaltssicherungskonzept aufgestellt. Nur umgesetzt worden sei davon bis heute kaum etwas. Sie schob alleine der Verwaltung den schwarzen Peter zu: "Wie kann so etwas kommen, dass hier fünf Jahre nichts umgesetzt worden ist? Pro Jahr hätten laut Haushaltssicherungskonzept 2,5 Millionen Euro eingespart werden sollen", rechnete sie vor. Statt den Einsparungen im Personalwesen seien die Kosten jedoch beispielsweise dort noch höher geworden. "Magistrat und Verwaltung ist es in den meisten Fällen gut gelungen, die Bürger stärker zur Kasse zu bitten, aber ihre eigenen Aufgaben zu erledigen, Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen, haben sie nicht erledigt", wetterte sie. Je länger Hildmanns Rede dauerte, desto dunkler wurde die Zornesröte in Bürgermeister Klaus Temmens Gesicht, doch er entschied sich an diesem Abend, ihren Angriff schweigend zur Kenntnis zu nehmen. "Hätte ich mich zu jedem Punkt von Frau Hildmann zu Wort gemeldet, hätte das eine halbe Stunde in Anspruch genommen. Für eine solche Diskussion ist eigentlich der HFA das passende Gremien", so Temmen. "Ich weiß nicht, warum Frau Hildmann die Zeit dort nicht genutzt hat, ihre Fragen zu stellen. Außerdem habe ich mich wirklich sehr über ihre Behauptungen geärgert, sodass meine Antwort sehr emotional ausgefallen wäre. Das wollte ich verhindern." So gab es zunächst nur eine Antwort seitens des Ersten Stadtrats Jürgen Odszuck, zumindest, was sein Ressort, betraf, nachdem Gabriele Hildmann die Behauptung in den Raum stellte, die Verwaltung habe über die 60-prozentigen Mehrausgaben im Konjunkturprogramm "nicht hinreichend und vollumfänglich" informiert. Genau dies habe er in der Sitzung vom 9. Juni getan, erklärte Odszuck kurz und bündig. Auch er ärgerte sich über die Zahlen, die seitens der KfB in den Raum gestellt wurden und die beide, Temmen und Odszuck am nächsten Tag in einer Pressemitteilung Detail "zurechtrückten". "Tatsächlich beträgt die Steigerung der Baukosten für die Maßnahmen aus den Konjunkturförderprogrammen von Bund und Land einschließlich der städtischen Eigenmittel bei den reinen Baukosten nur rund 12 Prozent", erklärten sie, "nicht 60 Prozent". Außerdem widerlegten sie die Behauptung, dass sich durch die 26 Punkte im Haushaltssicherungskonzept jährliche Einsparungen von 2,5 Millionen Euro generieren ließen: "Dabei handelt sich nicht um jährliche Effekte, da hier auch Einmaleffekte eingerechnet sind", erläuterten sie.
Laut Haushaltssicherungskonzept sollen die Personalkosten bis zum Ende der Wahlzeit 2006 bis 11 um 500.000 Euro gesenkt werden. Es stimme, dass die Personalkosten jedoch um etwa die gleiche Summe gestiegen seien. Dies resultiere allerdings aus den "zwischenzeitlichen Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst und zweitens daraus, dass mit der Umstellung auf die Doppik im Haushalt Rückstellungen für Pensionen, Altersteilzeit und Überstunden in Höhe von jährlich etwa
750.000 Euro gebildet werden müssen". Diese Gelder seien früher in den Personalkosten nicht abgebildet worden. "Wir haben im Gesamtbetrieb Stadt bereits 7,5 Stellen abgebaut und das, obwohl die Anforderungen bei der Kinderbetreuung gestiegen sind. Ohne diese Maßnahme lägen die Personalkosten jährlich um rund 350.000.Euro höher", informierte Temmen.
Einigkeit in der Debatte um den Nachtragshaushalt blieb aber in dem Punkt bestehen, "dass es einen Einschnitt in die Substanz" geben muss, wie sich der FDP-Stadtverordnete Dietrich Kube ausdrückte. Dr. Judith Jackson von den Grünen allerdings ging noch einen Schritt weiter, indem sie feststellte: "Es gibt nichts mehr zu retten und wir haben nichts mehr zu verschenken." Wenn es im Nachtragshaushalt seitens der Verwaltung heiße, die sozialen, freiwilligen Leistungen seien sichergestellt, sei das ein falsches Signal. Schließlich mache die Stadt dafür zurzeit neue Schulden. "Wir müssen selbst entscheiden, wo es langgehen soll, ganz selbstbewusst", so Jackson. Schließlich habe die Stadt ja auch Einiges zu bieten und müsse nun einmal jetzt auch ihre Einnahmen erhöhen. Da ihre Anträge zur Steuererhöhung (Grundsteuer B, soll in den Haushaltsberatungen erfolgen) und Parkraumbewirtschaftung am Schwimmbad (soll zunächst seitens der Verwaltung geprüft werden, entschied die Mehrheit) im Stadtparlament keinen Konsens fanden und auch ihr Ansinnen, eine eigene Arbeitsgruppe zu bilden, die sich mit dem Haushalt beschäftigen sollte, bereits in einem früheren HFA keine Mehrheit fand, stimmten die Grünen, wie auch die KfB, wenn dies auch aus ganz anderen Gründen, gegen den Nachtragshaushalt. "Es muss alles auf den Tisch, wir können nicht einfach so weiter wursteln, wie es beim Nachtragshaushalt geschehen ist" sagte sie. "Deshalb werden wir nicht zustimmen!" Verabschiedet wurde er schließlich mit 20 Ja-Stimmen von CDU, SPD und FDP, bei sieben Nein-Stimmen von den Grünen und der KfB bei zwei Enthaltungen, seitens der UBG.

 

10.09.2011

Taunuszeitung

Hildmann attackiert Verwaltung
Bürgermeister Temmen (parteilos) pariert Angriffe der KfB-Stadtverordneten erst am Tag nach der Sitzung

Weigern sich Verwaltung und Magistrat, politische Sparbeschlüsse umzusetzen? Ja, sagt Gabriele Hildmann (KfB). Nein, sagt der Bürgermeister.

Von Boris Schöppner

Kronberg.  Am Anfang deutete nichts auf eine spektakuläre Sitzung hin, schließlich ging es "nur" um den Nachtragshaushalt, bei dem sich gewöhnlich keine großen Hebel bewegen lassen. Außerdem gab es Blumen für den frisch vereidigten CDU-Stadtrat Adam Bettenbühl. Und von CDU-Stadtverordneten-Nachrücker Stefan Möller gab es Laugengebäck. Es hätte ein ruhiger Abend werden können. Hätte . . .

"Die Finanzprobleme der Stadt Kronberg allein auf den Ausfall von Steuern zu schieben, oder die Rückzahlung von Gewerbesteuervorauszahlungen als Ursache der Schwierigkeiten auszumachen, greift zu kurz." Gabriele Hildmann, Stadtverordnete der KfB, teilte mächtig aus. Während Dietrich Kube (FDP) das Defizit der Stadt von 9,5 Millionen Euro, von denen ein Großteil die Gewerbesteuerrückzahlung ausmache, als eine "Zäsur für Stadt und Bürger" bezeichnet hatte, die "jetzt" Eingriffe in die Substanz erforderlich machten, war Hildmann überzeugt, dass die Politik bereits seit 2006 die richtigen Wege aufzeige. Bloß, die von den Stadtverordneten gefassten Beschlüsse würden von Stadtverwaltung und Magistrat nicht umgesetzt. Das Einsparpotenzial des Haushaltssicherungskonzepts bezifferte sie mit 2,5 Millionen Euro, davon 700 000 Euro bei den Personalkosten (vorausgesetzt die Sparmaßnahmen würden auch umgesetzt).

"Magistrat und Verwaltung haben es recht gut und meistens schnell geschafft, die Bürger stärker zur Kasse zu bitten. Im großen Stil gescheitert sind Magistrat und Verwaltung aber an den Aufgaben, die sie selbst zu erledigen haben – Kostensenkungen und Effizienzerhöhungen."

Je länger Hildmann sprach und gegen die Stadtverwaltung wetterte, desto röter wurde das Gesicht von Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos). Doch auch wenn dem Verwaltungschef der Kamm schwoll, zu Wort meldete er sich nicht. So ging der Erste Stadtrat Jürgen Odzuck (parteilos) am Donnerstagabend ans Rednerpult und wies vor allem die Darstellung Hildmanns zurück, Änderungen bei den städtischen Anteilen des Konjunkturprogramms "nicht hinreichend und vollumfänglich" dargestellt zu haben. Er habe genau dies in der Sitzung vom 9. Juni getan.

Zornesröte im Gesicht

Bürgermeister Temmen ließ sich bis zum nächsten Mittag Zeit, die Angriffe zu parieren. Sein Zögern erklärte er damit, dass er den Haupt- und Finanzausschuss als den richtigen Ort für Diskussion über Zahlen ansieht und nicht die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. "Ich hätte mich sonst eine halbe Stunde mit Frau Hildmann über die Zahlen streiten können." Der andere Grund sei gewesen, "lieber sachlich als mit Zornesröte auf der Stirn" die Vorwürfe zu widerlegen.

Also gab es gestern Mittag eine Pressemitteilung. Darin wird unter anderem dargelegt, dass die Steigerung der Personalkosten ihren Grund nicht im mangelnden Sparwillen der Verwaltung habe, sondern in den "zwischenzeitlichen Tarifsteigerungen im Öffentlichen Dienst". Zudem ergebe sich die Steigerung daraus, dass mit der Umstellung auf die Doppik im Haushalt Rückstellungen für Pensionen, Altersteilzeit und Überstunden von rund 750 000 Euro pro Jahr gebildet werden müssten. Temmen: "Im Zeitraum von 2006 bis 2012 wurden im Gesamtbetrieb Stadt bereits 7,5 Stellen abgebaut und das, obwohl die Anforderungen bei der Kinderbetreuung gestiegen sind. Ohne diese Maßnahme lägen die Personalkosten jährlich um rund 350 000 Euro höher."

Kritik an der Stadtverwaltung kam auch von der SPD. Fraktionschef Christoph König nannte das Berichtswesen "holprig" und mahnte an, dass bislang noch nicht aufgezeigt wurde, welcher künftige Wegfall von welchen Stellen welche Einsparungen und welche Konsequenzen mit sich bringen würde. Das sei jedoch die Grundlage dafür, Entscheidungen treffen zu können. Die schwarz-rote Koalition sei bereit, auch unpopuläre Entscheidungen zu tragen.

Zum Schluss wurde der Nachtragshaushalt vom Plenum mehrheitlich angenommen, nachdem ein Änderungsantrag der SPD zu den Budgetierungsrichtlinien und einer der Grünen einstimmig vom Plenum verabschiedet worden war. Die Grünen hatten gefordert, die als Verpflichtungsermächtigung im Haushalt vorgesehenen Mittel für die Anschaffung von Digitalfunkgeräten jetzt nicht freizugeben. (öp)

 

01.09.2011

Kronberger Bote KW 35 [OCR Scan] 

Wieso wurde uns die Immobilienliste nicht vorgelegt ?

Kronberg. - "Wir sind sehr verwundert, dass sich Erster Stadtrat Odszuck im Zusammenhang mit dem Verkauf städtischer Liegenschaften ,Im Brühl' öffentlich wie folgt geäußert hat: ,Längst gebe es auch eine interne Liste, in der alle städtischen Immobilien auf ihre Rentabilität und strategische Wichtigkeit hin überprüft worden seien. Für diese Immobilien hat der zuständige Fachbereich einen Verkauf empfohlen'. Es stellt sich für uns die Frage, wie es sein kann, dass es eine solche Liste, mit deren Erstellung der Magistrat im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts beauftragt wurde ,längst` gibt, diese den Stadtverordneten aber noch nicht vorgelegt wurde?", so die KfB in einer Pressemitteilung. "Ungewöhnlich" sei außerdem, dass der Erste Stadtrat den Verkauf der Immobilien "Im Brühl" öffentlich mit Zugriff auf diese Liste begründe. "Sie werden informiert, wenn der Magistrat sich dazu eine abschließende Meinung gebildet hat", sei die KfB dagegen schriftlich von ihm informiert
worden. "Es waren doch die Stadtverordneten, die den Magistrat aufgefordert haben, eine solche Liste zu erstellen. Warum reicht der Magistrat, der schon acht Monate im Verzug ist, diese Liste nicht auftragsgemäß an die Stadtverordneten weiter?", fragen die KfB-Fraktionsvorsitzende Dr. Heide-Margaret Esen-Baur und ihre Stellvertreterin, Gabriele Hildmann. Die Aufgabenteilung zwischen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung sei "eindeutig geregelt". Der Stadtverordnetenversammlung seien Bestandsaufnahme und Konzept zunächst vorzulegen. Anschließend habe die Stadtverordnetenversammlung darüber zu befinden, ob und gegebenenfalls welche Immobilien verkauft werden sollen. Esen-Baur wörtlich: "Es kann nicht sein, dass der Magistrat - wie hier geschehen - einzelne städtische Immobilien aus dem Bestand herausgreift und deren Verkauf anstrebt, ohne dass die Stadtverordneten das vor 16 Monaten angeforderte Gesamtkonzept, einschließlich der Bewertungsliste, kennen." (mw)

 

30.08.2011

Presseerklärung zum fehlenden „Konzept der Bewirtschaftung und Entwicklung des städtischen Immobilienbestands“

Im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts hat die Stadtverordnetenversammlung am 15. April
2010 beschlossen, den Magistrat zu beauftragen: „bis spätestens zu Beginn des Jahres 2011 ein umfassendes Konzept für die Bewirtschaftung und Entwicklung des städtischen Immobilienbestandes zu
erarbeiten.“ Ein solches Konzept wurde den Stadtverordneten bis heute – acht Monate nach dem gesetzten Termin - nicht vorgelegt. Nachfragen haben stets ergeben, dass die Verwaltung noch daran
arbeite.
Deshalb hat es die KfB auch sehr verwundert, dass sich Erster Stadtrat Odszuck im Zusammenhang
mit dem Verkauf städtischer Liegenschaften „Im Brühl“ öffentlich wie folgt geäußert hat: „Längst
gebe es auch eine interne Liste, in der alle städtischen Immobilien auf ihre Rentabilität und strategische
Wichtigkeit hin überprüft worden seien. Für diese Immobilien [Häuser Im Brühl] hat der zuständige
Fachbereich einen Verkauf empfohlen“. Es stellt sich für die KfB die Frage, wie es sein kann, dass
es eine solche Liste, mit deren Erstellung der Magistrat im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts
beauftragt wurde, „längst“ gibt, diese den Stadtverordneten aber noch nicht vorgelegt wurde?
Ungewöhnlich ist auch, dass der Erste Stadtrat den Verkauf der Immobilien „Im Brühl“ öffentlich mit
Zugriff auf diese Liste begründet. Auf Rückfrage der KfB führt der Erste Stadtrat dagegen schriftlich
an: „Sie werden informiert, wenn der Magistrat sich dazu eine abschließende Meinung gebildet hat.“
Es waren doch die Stadtverordneten, die den Magistrat aufgefordert haben, eine solche Liste zu erstellen.
Warum reicht der Magistrat, der schon acht Monate im Verzug ist, diese Liste nicht auftragsgemäß
an die Stadtverordneten weiter? Warum wird jetzt öffentlich aus dieser Liste zitiert und Immobilienverkäufe der Stadt mit den Ergebnissen dieser Liste begründet?

Nach Ansicht der KfB ist ein solches Vorgehen inakzeptabel. Die Aufgabenteilung zwischen Magistrat
und Stadtverordnetenversammlung ist eindeutig geregelt. Der Stadtverordnetenversammlung sind
Bestandsaufnahme und Konzept zunächst vorzulegen. Anschließend hat die Stadtverordnetenversammlung
darüber zu befinden, ob und gegebenenfalls welche Immobilien verkauft werden sollen.
Es kann nicht sein, dass der Magistrat - wie hier geschehen- einzelne städtische Immobilien aus dem
Bestand herausgreift und deren Verkauf anstrebt, ohne dass die Stadtverordneten das vor 16 Monaten
angeforderte Gesamtkonzept, einschließlich der Bewertungsliste, kennen.

Dr. Heide-Margaret Esen-Baur - Gabriele Hildmann

25.08.2011

Kronberger Bote KW 34 [OCR Scan] 

Malermuseum: Verhandelte Einsparungen bleiben aus

Kronberg (mw) - Die KfB hat das kursierende Gerücht, der Vermieter der Streitkirche habe dem Mietvertrag mit der Stadt, das Museum Kronberger Malerkolonie betreffend, ohne die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Neuregelungen zugestimmt, zum Anlass für eine Pressemitteilung genommen, in der sie darlegt, dass die städtischen Verwaltung "sollte es zu einem derartige Vertragsabschluss gekommen sein, gegen den erklärten Willen der Stadtverordnetenversammlung gehandelt hätte". "Natürlich haben wir keinen Vertrag geschlossen", gibt Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) kurz, bündig und nicht wenig verärgert zur Antwort. "Allerdings werde ich weitere Details zu den noch laufenden Verhandlungen nicht nennen. Ich finde es unmöglich wie die KfB sich derzeit aufplustert und jegliche privatrechtlichen Verhandlungen über die Presse zu diskutieren versucht ", so Odszuck.
Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Juni mit großer Mehrheit beschlossen, den Mietvertrag für das Museum Kronberger Malerkolonie für fünf Jahre weiterlaufen zu lassen. Allerdings unter der Prämisse, dass der Erste Stadtrat für die Stadt etwas günstigere Konditionen - zumindest für die nächsten zwei Jahre - ausgehandelt sah.
Bereits im HFA hatte nicht nur Bürgermeister Klaus Temmen den HFA-Mitgliedern die frohe Botschaft überbracht, dass die "Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung" die Hälfte der Mietkosten für das Museum Kronberger Malerkolonie für die nächsten fünf Jahre zugesagt hat, sondern der Erste Stadtrat hatte seinerzeit auch mitgeteilt: "Unser Vertragspartner hat angesichts der angespannten Haushaltslage außerdem die vertraglich festgesetzte Mieterhöhung nach Preisindex um zwei Jahre nach hinten verschoben. Das bringt der Stadt Einsparungen in Höhe von 12.000 Euro. So muss die Stadt 2012
und 2013 statt 66.000 Euro Miete jährlich erst einmal nur 30.000 Euro an den Hauseigentümer überweisen."
"Manchmal ändern sich halt Dinge", so Odszuck zur aktuellen Sachlage, denn aus diesen Einsparungen ist jetzt anscheinend nichts geworden. "Wir sind wie schon gesagt mitten in den Verhandlungen und werden auch das Gespräch mit allen Beteiligten suchen" fügt er noch hinzu, Einen Mietvertrag neu zu verhandeln, sei jedoch zu keinem Zeitpunkt der Auftrag gewesen, es sei einzig und allein um diese Nachverhandlung gegangen, erklärt er. Der Mietvertrag laufe einfach weiter, sofern er nicht gekündigt werde. "Wir sind auch nicht auf fünf weitere Jahre gebunden", informiert Odszuck. "Das müsste auch die KfB wissen, wenn sie sich für dieses Thema interessiert." "Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass ich es nicht nur populistisch, sondern als eine Frechheit empfinde, dass hier immer wieder mit falschen Vermutungen suggeriert wird, die Stadt oder meine Person würde sich nicht ordnungsgemäß verhalten. Es gibt schon so viele Beispiele, wo von einer falschen Annahme ausgegangen wird." Diese würde dann so lange breit getreten, dass sie am Ende jeder glaube oder zumindest das Gefühl bleibe, die Stadt habe irgendetwas falsch gemacht. Inzwischen sei er schon auf mehrere KfB-Mitglieder gestoßen, denen dieses Vorgehen "wirklich unangenehm" sei. "Mich würde es nicht wundern, wenn die KfB sich bald selbst demontiert, aber das soll nicht mein Problem sein", machte Odszuck seinem Ärger Luft.
Die KfB allerdings hat in ihrer Pressemitteilung sogar eine Antwort auf die Frage, warum sie mit diesem Sachstand an die Öffentlichkeit gegangen parat: "Mehr als vier Wochen, nachdem wir diese Anfrage gestellt haben, haben wir keine Antwort erhalten." Deshalb habe sie sich an die Öffentlichkeit gewendet.

 

KfB wehrt sich gegen die Ablehnung ihres Dringlichkeitsantrags

Kronberg. - Die KfB hat die Stadtverordnetenvorsteherin, Blanka Haselmann gebeten, "zu prüfen, ob eine Zulassung unseres Dringlichkeitsantrags doch möglich ist," insbesondere, wenn er um folgenden Satz ergänzt werde: "Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, dass der Magistrat die Rechtslage im Fall von Immobilienverkäufen, die im Zusammenhang mit Rechtsverzichtsgeschäften - wie diese beim geplanten Verkauf der Häuser, ,Im Brühl 6-8' und ,Im Brühl 10' der Fall ist - prüfen lässt." Alle anderen Passagen sollten unverändert bleiben, so die KfB-Fraktionsvorsitzende Dr. Heide-Margaret Esen-Baur und ihre Stellvertreterin, Gabriele Hildmann. Ihnen war zuvor seitens der Stadt mitgeteilt worden, dass ihr Dringlichkeitsantrag (wir berichteten in der vergangenen Ausgabe) nicht für die Behandlung in dieser Sitzungsrunde zugelassen worden sei.
"Die Ablehnung wurde formal mit dem grundsätzlichen Charakter des Antrags begründet. Wir sind der Auffassung, dass unser Antrag zwar auch einen grundsätzlichen Charakter hat, sehen dies aber nicht als generellen Ablehnungsgrund nach Paragraf 13 IV 3 GOStVV", betonen die beiden.
Berücksichtigt werden sollte ihrer Überzeugung nach, dass der "Antrag in dem Moment
dringlich wurde, in dem der Magistrat den Antrag zum Verkauf der Liegenschaften ,Im Brühl 6-8' und ,Im Brühl 10' einbrachte. Dieser Verkauf trägt alle Charakterzüge von Verkäufen, um deren Prüfung wir in unserem Dringlichkeitsantrag ersuchen", sagen sie. Da der Magistrat die Fraktionen nicht über die Einbringung des Verkaufs der genannten Liegenschaften vor dem Ende der Antragsfrist informiert habe, habe die KfB den Antrag zur Prüfung der Rechtslage im Fall solcher Immobiliengeschäfte nicht fristgerecht einbringen können. Der Antrag sei jedoch unmittelbar nach Zugang der Anträge für diese Sitzungsrunde eingegangen "Alle Fraktionen haben somit ausreichend Zeit, den Antrag zu beraten."
Esen-Baur und Hildmann liefern außerdem in dem Schreiben an die Stadtverordnetenvorsteherin folgende Argumente für ihren Antrag: "Innerhalb der laufenden Beratungsrunde, in der über das Immobiliengeschäft entschieden werden soll, ist es uns nicht möglich, die Rechtslage zu prüfen. Ein entsprechender Änderungsantrag im Rahmen der Beratungen der Drucksache 5020/2011 wäre nicht zulässig, da dies den grundsätzlichen Charakter des ursprünglichen Antrags ändern würde." (mw)

 

KfB fordert, den Verkauf der Häuser "Im Brühl" öffentlich zu beraten

Kronberg. - Die KfB-Fraktion bittet die Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann, die Drucksache 5020/2011 (Verkauf der Häuser "Im Brühl 6-8" und "Im Brühl 10") entgegen ihrer ursprünglichen Einschätzung öffentlich zu behandeln. Das teilt die KfB in einer Pressemitteilung mit, in der sie erklärt: "Sowohl die Hessische Gemeindeordnung als auch die Geschäftsordnung der Stadt Kronberg sieht vor, dass die Stadtverordnetenversammlung grundsätzlich in öffentlicher Sitzung beschließen soll. Ein genereller Ausschluss der Öffentlichkeit für bestimmte Arten von Angelegenheiten ist explizit nicht zulässig." Damit sei ein genereller Ausschluss der Öffentlichkeit auch bei Immobiliengeschäften ausgeschlossen. "Tatsächlich wurden in der Vergangenheit auch immer wieder Grundstücksangelegenheiten oder Mietverträge öffentlich behandelt", behaupten die KfB-Fraktionschefin Dr. Heide-Margaret Esen-Baur . und ihre Stellvertreterin, Gabriele Hildmann. Die Gesetzgebung verpflichte die Stadtverordnetenvorsteherin im Einzelfall abzuwägen, welche Interessen schützenswerter seien. ,,Auf der einen Seite steht das Interesse des Käufers, seinen Namen, den Kaufpreis und die Nebenvereinbarungen nicht in die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Auf der anderen Seite steht das Interesse der Öffentlichkeit,
über den Kaufpreis und die Nebenbedingungen informiert zu werden." Schließlich handele es sich hierbei um einen Verkauf von städtischem Eigentum, von dem eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Familien betroffen sei. "Deshalb bedarf der Ausschluss der Öffentlichkeit in jedem Fall einer besonderen Begründung", meinen sie. Im Fall des Antrags (5020/2011) seien jedoch keine Begründungen gegeben, die den Ausschluss der Öffentlichkeit rechtfertigen würden. Esen-Baur wörtlich: "Es sind nicht nur die Nebenbedingungen, unter denen der Verkauf stattfinden soll, die der Öffentlichkeit bedürfen. Es ist auch der Kaufpreis, zu dem die Liegenschaften veräußert werden sollen, der von größtem öffentlichem Interesse ist, insbesondere in einer Zeit, in der der öffentliche Haushalt mit großen Schulden belastet ist. Ein Kaufpreis, der unter dem Bilanzwert und unter dem Bodenrichtwert liegt und ohne eine Ermittlung des Marktwests zustande kommt, ist in hohem Maße öffentlich erklärungsbedürftig." In dieser Konstellation solle es seitens der Stadt selbstverständlich sein, mit größtmöglicher Transparenz zu agieren. Den möglicherweise "schützenswerten Interessen des Käufers" könne "Genüge getan werden, indem der Name des Käufers in der öffentlichen Debatte ungenannt bleibt". (mw)

 

"Beim Thema Ausgleichsmaßnahmen stoßen wir auf taube Ohren"

Kronberg. -"Der Umgang der Stadt Kronberg mit der Bereitstellung von "Ausgleichsflächen" bei bestimmten Bau- und Erschließungsmaßnahmen ist nach wie vor unbefriedigend", finden die Grünen, die dies im Zusammenhang mit einem Antrag der KfB, der in der kommenden Stadtverordnetenversammlung behandelt werden soll, kritisieren. "Die KfB macht sich stark für ein ,Ausgleichsflächenmanagement (Kataster)', das Auskunft geben soll über zur Verfügung stehende Ausgleichsflächen", so die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Fischer-Thöns. Das bedeute konkret: "Wenn ein neues Baugebiet ausgewiesen wird, muss entschieden werden, wo an anderer Stelle der Natur etwas Gutes getan wird. Dazu solle ein Verzeichnis geeigneter Flächen erstellt werden."
Petra Fischer-Thöns, erinnert in diesem Zusammenhang nun daran, dass schon vor Jahren "viel weitergehende Beschlüsse gefasst worden sind, -übrigens unter Mitwirkung der KfB": "Am 4. Dezember 2008 hat die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat
beauftragt, ,zukünftig halbjährlich dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt einen Sachstandsbericht über den Stand der Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen vorzulegen. " Aus dem 6-Punkte-Beschluss von damals ist den Grünen besonders wichtig, dass bei jeder Maßnahme "ein verbindlicher Zeitplan für die Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen vorzulegen" ist.
Petra Fischer-Thöns betont: "Wir erinnern daran, dass sie wie keine andere Fraktion - und anders als die KfB in der Vergangenheit - in dieser Sache unermüdlich nachgefragt, gemahnt und gefordert haben, allzu oft in dieser für die Umwelt so wichtigen Maßnahme aber bei der Verwaltung auf taube Ohren gestoßen sind."
Und sie fügt abschließend hinzu: "Der vorliegende Antrag ist Anlass, das permanente Vollzugsdefizit erneut zu kritisieren. Die Stadtverordneten müssen im Grunde gar nichts Neues beschließen, sie sollten einstimmig den Beschluss vom Dezember 2008 in Erinnerung rufen." (mw)

 

23.08.2011

Presseerklärung vor Vorlage 5020/2011: Verkauf der Häuser "Im Brühl" ( Herstellung der Öffentlichkeit)

Heute hat die KfB-Fraktion die Stadtverordnetenvorsteherin Frau Blanka Haselmann gebeten, die Drucksache 5020/2011 (Verkauf der Häuser "Im Brühl 6-8" und "Im Brühl 10") entgegen ihrer ursprünglichen Einschätzung öffentlich zu behandeln. Die KfB teilt nicht die Meinung der Stadtverordnetenvorsteherin, die Drucksache müsse unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten werden. Sowohl die Hessischen Gemeindeordnung als auch die Geschäftsordnung der Stadt Kronberg im Taunus sieht vor, dass die Stadtverordnetenversammlung grundsätzlich in öffentlicher Sitzung beschließen soll. Ein genereller Ausschluss der Öffentlichkeit für bestimmte Arten von Angelegenheiten ist explizit nicht zulässig.
Damit ist ein genereller Ausschluss der Öffentlichkeit auch bei Immobiliengeschäften nach § 16 (1) der Geschäftsordnung der Stadt Kronberg im Taunus (in Anlehnung an § 54 HGO) ausgeschlossen. 

Tatsächlich wurden in der Vergangenheit auch immer wieder Grundstücksangelegenheiten oder Mietverträge öffentlich behandelt. Die Gesetzgebung verpflichtet die Stadtverordnetenvorsteherin im Einzelfall abzuwägen, welche Interessen schützenswerter sind. Auf der einen Seite steht das Interesse des Käufers, seinen Namen, den Kaufpreis und die Nebenvereinbarungen nicht in die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Auf der anderen Seite steht das Interesse der Öffentlichkeit, über den Kaufpreis und die Nebenbedingungen informiert zu werden. Schließlich handelt es sich hierbei um einen Verkauf von städtischem Eigentum, von dem eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Familien betroffen ist. Deshalb bedarf der Ausschluss der Öffentlichkeit in jedem Fall einer besonderen Begründung. Im Fall des Antrags (5020/2011) sind u. E. sind keine Begründungen gegeben, die den Ausschluss der Öffentlichkeit rechtfertigen würden.

Vielmehr ist es so, dass die Besonderheiten des Verkaufs der Häuser "Im Brühl 6-8" und "Im Brühl 10" die Bedürfnisse der Öffentlichkeit in jedem Fall über die Interessen des Käufers stellen. Es sind nicht nur die Nebenbedingungen, unter denen der Verkauf stattfinden soll, die der Öffentlichkeit bedürfen. Es ist auch der Kaufpreis, zu dem die Liegenschaften veräußert werden sollen, der von größtem öffentlichem Interesse ist, insbesondere in einer Zeit, in der der öffentliche Haushalt mit großen Schulden belastet ist. Ein Kaufpreis, der unter dem Bilanzwert und unter dem Bodenrichtwert liegt und ohne eine Ermittlung des Marktwerts zustande kommt, ist in hohem Maße öffentlich erklärungsbedürftig. In dieser Konstellation sollte es seitens der Stadt selbstverständlich sein, mit größt-möglicher Transparenz zu agieren. Den möglicherweise schützenswerten Interessen des Käufers kann genüge getan werden, indem der Name des Käufers in der öffentlichen Debatte ungenannt bleibt.
Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Liegenschaften "Im Brühl" werden eine Reihe grundsätzlicher Fragen aufgeworfen, deren Diskussion auch von hervorragendem öffentlichem Interesse ist. Auch aus diesem Grund ist der Antrag öffentlich zu beraten.
Wir haben deshalb die Stadtverordnetenvorsteherin heute gebeten, die Drucksache 5020/2011 öffentlich beraten zu lassen und hoffen sehr, dass sie sich unserer Auffassung anschließt.

Dr. Heide-Margaret Esen-Baur - Gabriele Hildmann

Presseerklärung zum Widerspruch gegen die Ablehnung des Dringlichkeitsantrags "Rechtslage im Fall von Immobiliengeschäften"

Per Email hat Herr Feldmann der KfB-Fraktion am 17. August 2011 mitgeteilt, dass unser Dringlichkeitsantrag nicht für die Behandlung in dieser Sitzungsrunde zugelassen wurde. Die Ablehnung wurde formal mit dem grundsätzlichen Charakter des Antrags begründet. Wir sind der Auffassung, dass unser Antrag zwar auch einen grundsätzlichen Charakter hat, sehen dies aber nicht als generellen Ablehnungsgrund nach § 13 IV 3 GOStVV.

Wir baten die Stadtverordnetenvorsteherin, Frau Blanka Haselmann, in unserem heutigen Anschreiben, Folgendes zu Berücksichtigen:

1) Unser Antrag wurde in dem Moment dringlich, in dem der Magistrat den Antrag zum Verkauf der Liegenschaften "Im Brühl 6-8" und "Im Brühl 10" einbrachte. Dieser Verkauf trägt alle Charakterzüge von Verkäufen, um deren Prüfung wir in unserem Dringlichkeitsantrag ersuchen. Da der Magistrat die Fraktionen nicht über die Einbringung des Verkaufs der genannten Liegenschaften (Drucksache 5020/2011) vor dem Ende der Antragsfrist informierte, konnten wir unseren Antrag zur Prüfung der Rechtslage im Fall solcher Immobiliengeschäfte nicht fristgerecht einbringen. Ohne den zugrundeliegenden Antrag auf Verkauf der städtischen Immobilien "Im Brühl" und deren besondere Verknüpfung von Rechtsgeschäften und der Abgabe von städtischem Besitz ohne Kenntnis des Marktwertes, würde es unseres Antrags am sachlichen Grund fehlen.

2) Wir haben Frau Haselmann gebeten zu berücksichtigen, dass der Antrag unmittelbar nach Zugang der Anträge für diese Sitzungsrunde bei ihr eingegangen ist. Alle Fraktionen haben somit ausreichend Zeit, den Antrag zu beraten. Der Gesetzgeber sieht den Sinn einer Antragsfrist vor allem darin, allen Fraktionen ausreichend Gelegenheit zu geben, die Anträge intern zu beraten. Dies ist in jedem Fall möglich, denn der Dringlichkeitsantrag wurde per Mail nur zwei Tage nach der Antragsfrist und damit vor den ersten Beratungsterminen der Fraktionen gestellt. Dies spricht für die Zulassung des Antrags.

3) Innerhalb der laufenden Beratungsrunde, in der über das Immobiliengeschäft entschiedenen werden soll, ist es uns nicht möglich, die Rechtslage (wie im Antrag vorgesehen) zu prüfen. Ein entsprechender Änderungsantrag im Rahmen der Beratungen der Drucksache 5020/2011 wäre nicht zulässig, da dies den grundsätzlichen Charakter des ursprünglichen Antrags ändern würde. Vor diesem Hintergrund muss die Rechtslage in einem eigenständigen Antrag geprüft werden. Das über diesen Antrag zu befinden ist, bevor der Antrag 5020/2011 behandelt wird, ist sachlogisch.

4) Wir haben Frau Haselmann ersucht zu prüfen, ob eine Zulassung unseres Dringlichkeitsantrags doch möglich ist, insbesondere wenn der Antrag wie folgt ergänzt wird (Ergänzungen in Fettschrift): "Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, dass der Magistrat die Rechtslage im Fall von Immobilienverkäufen, die im Zusammenhang mit Rechtsverzichtsgeschäften - wie dies beim geplanten Verkauf der Häuser "Im Brühl 6-8" und "Im Brühl 10" der Fall ist - prüfen lässt." Alle anderen Passagen bleiben unverändert.

Wir hoffen, dass sich die Stadtverordnetenvorsteherin unserer Meinung anschließen wird.

Dr. Heide-Margaret Esen-Baur - Gabriele Hildmann

22.08.2011

Presseerklärung zur Anfrage „Vertragsverlängerung Malermuseum“

In der Stadtverordnetenversammlung am 9. Juni wurde der Mietvertrag Streitkirche (Vorlage Nr.
5008/2011) behandelt. Unter Aufnahme verschiedener Neuregelungen wurde beschlossen (26 Ja-
Stimmen, 2 Nein-Stimmen), den Mietvertrag für die Dauer von fünf Jahren zu verlängern. Einige dieser
Neuregelungen haben erhebliche finanzielle Konsequenzen für die Stadt.
Seit Ende Juni kursiert in Kronberg das Gerücht, der Vermieter hätte den zuvor ausgehandelten Neuregelungen nun doch nicht zugestimmt. Die Verwaltung habe aber dem Mietvertrag ohne die von der
Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Neuregelungen zugestimmt.
Sollte es zu einem derartigen Vertragsabschluss gekommen sein, so hätte die Verwaltung gegen den
erklärten Willen der Stadtverordnetenversammlung gehandelt. Ordnungsgemäß hätte die Stadt von
den Stadtverordneten erneut ein Votum einholen müssen oder aber den bestehenden Mietvertrag
bis zum 30. Juni mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 kündigen müssen. Die Stadtverordneten hätten
dann erneut entscheiden müssen, ob und unter welchen Bedingungen ein neuer Mietvertrag abgeschlossen
wird. Das ist nicht geschehen.

Zur Klärung der Sachlage hat die KfB-Fraktion am 27. Juli 2011 eine Anfrage an den Magistrat zum
Stand des Mietvertrages mit folgendem Inhalt gestellt:
a) Wurde zwischenzeitlich der Mietvertrag unter den im Antrag (5008/2011) beschlossenen Neuregelungen
verlängert?
b) Wurde der Mietvertrag, trotz Wegfall der vorgesehenen Neuregelungen, verlängert?
c) (gegebenenfalls) Zu welchen Neuregelungen wurde der Mietvertrag verlängert?
Bis heute - mehr als vier Wochen nachdem diese Anfrage gestellt wurde - hat die KfB-Fraktion keine
Antwort auf diese Anfrage erhalten. Angesichts dieses klaren und überschaubaren Sachverhalts ist
davon auszugehen, dass sich die Fragen in unserer Anfrage rasch und ohne großen Aufwand beantworten
lassen. Da die Antworten aber immer noch ausstehen, wendet sich die KfB nun an die Öffentlichkeit.

Gleichzeitig hat die KfB-Fraktion heute auch die Stadtverordnetenvorsteherin, Frau Blanka Haselmann,
gebeten, den Magistrat an die zeitnahe Beantwortung der Anfrage zu erinnern.

Dr. Heide-Margaret Esen-Baur - Gabriele Hildmann

17.08.2011

Kronberger Bote KW 33 [OCR Scan] 

Stadt will Widerspruchsverfahren verhindern - KfB fordert Prüfung der Rechtslage

Noch im Juli zeigte sich Erster Stadtrat Jürgen Odszuck guter Dinge, dass das Bahnhofsgebäude nebst Gleis 3 bald im Besitz der Stadt Kronberg sein würde. Die Stadt Kronberg hatte nach mehrheitliche n Beschluss der Stadtverordneten und vorausgehenden langen Dreiecksverhandlungen mit dem von der Deutschen Bahn favorisierten Investor schließlich in letzter Minute von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht, um das sanierungsbedürftige Bahnhofsgebäude für 277.500 Euro zu erwerben (wir berichteten). Doch wenige Tage vor Fristende ist der Stadt doch noch der Widerspruch gegen das von der Stadt gezogene Vorkaufsrecht auf den Tisch geflattert. Doch Erster Stadtrat Jürgen Odszuck hat dem Magistrat nun einen Weg aufgezeigt, wie das Widerspruchsverfahren, das für das Projekt Bahnhof mindestens ein bis zwei Jahre Stillstand bedeuten würde,
abgewendet werden könnte. Nach Verhandlungen mit dem Investor, der nach dem ihm entgangenen Kauf des Bahnhofsgebäudes klagen will, obwohl sich die Stadt auf Grund der städtebaulichen zentralen Stellung des Bahnhofsgebäudes rechtlich klar im Vorteil sieht, will Odszuck dem Investor die städtischen Wohnhäuser "Im Brühl 6-8" und "Nr. 10" verkaufen. Im Gegenzug will der Investor seinen bereits eingereichten Widerspruch gegen das Vorkaufsrecht der Stadt zurücknehmen. "Der Investor hat uns für die beiden städtischen Immobilien einen guten Preis gemacht. Wir hatten hinsichtlich der Rechtslage auch keinen Grund ihm womöglich preislich entgegenzukommen", erklärt der Erste Stadtrat Jürgen Odszuck, der kritisiert, dass die Informationen über den Verhandlungsstand an die Öffentlichkeit gelangt sind. "Grundstücksgeschäfte und Immobilien sind rechtlich nun einmal nicht öffentlich zu behandeln", so Odszuck. "Natürlich wollte ich nicht, dass die Mieter der Häuser die möglichen Veränderungen aus der Presse erfahren."
Die KfB hat die Verkaufsabsichten der Stadt, über die die Stadtverordnetenversammlung entscheiden muss, (die Verkaufserlöse liegen beide über dem Schwellenwert von 250.000 Euro - bis zu dieser Summe kann der Magistrat ohne die Stadtverordneten entscheiden), zum Anlass genommen, einen Dringlichkeitsantrag zur "Prüfung der Rechtslage im Fall von Immobiliengeschäften" zu stellen. Die KFB, mit der Vorsitzenden Dr. Heide-Margaret Esen-Baur und ihrer Stellvertreterin Gabriele Hildmann fordern die Prüfung "ob es zulässig ist, städtische Immobilien ohne Kenntnis des Marktwertes und ohne Ausschreibung zu verkaufen."

Esen-Baur dazu: "Rechtlich besonders fragwürdig ist, wenn dieser marktferne Verkauf in Verbindung mit anderen Rechtsgeschäften steht." Das heiße im konkreten Fall, "wenn der Verkauf von Immobilien unter dem Vorbehalt des Verzichts auf einen Widerspruch gegen die Ausübung eines städtischen Vorkaufsrechts auf eine andere Immobilie geschehen soll." Ohne ein "transparentes Verfahren", da sind sich die beiden sicher, das sowohl die Kenntnis des Marktwertes einer Immobilie voraussetze als auch den Betrag, der von der Stadt für einen Klageverzicht geleistet werden soll, seien Vermögensnachteile für die Stadt zu befürchten. "Wir plädieren dafür, solche Geschäfte zu trennen und auch getrennt im Haushalt der Stadt auszuweisen", so Esen-Baur und Hildmann unisono.
"Rechtlich ist das ganz einfach", hält Odszuck dagegen, der sich entschieden gegen den Eindruck wehrt, der hier suggeriert werde, dass die Stadt "ihre städtischen Werte unter Preis verkauft". "Wir unterliegen hier keiner Ausschreibungspflicht, aber natürlich dürfen wir nicht unter Preis verkaufen. Selbstverständlich haben wir die beiden Immobilien, um die es hier geht, zuvor auch bewerten lassen. Über das nötige Know-how dafür verfüge man, das sei keine Frage. Längst gebe es auch eine interne Liste, in der alle städtischen Immobilien auf ihre Rentabilität und strategische Wichtigkeit hin überprüft worden seien. "Für diese Immobilien hat der zuständige Fachbereich einen Verkauf empfohlen", fügt er erklärend hinzu. Die Frage sei doch vor allem, was für die Stadt an diesem Punkt strategisch richtig und wichtig sei. "Jeder Privatmann würde doch ein solches Geschäft abschließen, wenn man einen guten Preis erhält und das Geschäft gleichzeitig als Grundlage dafür dienen kann, sich in einem anderen Punkt einig zu werden. Warum sollten wir uns als Stadt da ungeschickter anstellen?" fragt er. Unabhängig davon, dass der Kaufpreis der erzielt werde, "wirklich ein guter ist", sei außerdem auch zu bedenken, dass bei jedem Rechtsverfahren für die Stadt immer ein "Restrisiko verbleibt", allein schon durch die verschiedenen Instanzen, die ein Verfahren unter Umständen durchlaufe. "Angenommen, das Widerspruchsverfahren geht in die zweite Instanz, müssen wir Minimum drei Jahre rechnen, in denen alles am Bahnhof auf Eis liegen bleibt", gibt der Erste Stadtrat zu bedenken. In dieser Zeit könnte erst einmal nicht mit dem siebenstelligen Verkaufspreis des Bahnhofsgeländes im Zuge der Wohnbebauung gerechnet werden, da das Gleis 3 dazu dann nach wie vor fehle. Des Weiteren informiert er darüber, dass der mögliche Käufer der städtischen Immobilien im Brühl nicht vorhabe, die 60 bis 100 Jahre alten Häuser womöglich abzureißen. "Die Rechte der Mieter bleiben von dem Kauf völlig unberührt", so Odszuck. "Auch die Miete für die Wohnungen wird in nächster Zeit nicht ansteigen, denn es gab gerade erst eine Mieterhöhung", erklärt er. "Die Zielsetzung der Firma unseres Kaufinteressenten ist es, gebrauchte Immobilien anzukaufen, um langfristige Einnahmen zu generieren." Er wolle die Häuser kaufen, um sie im Bestand und in einem vernünftigen Zustand zu halten.
"Obwohl ein solches Vorgehen eine Vielzahl von ethischen Grundfragen und Konsequenzen aufwirft, geht es in unserem Antrag allein um die rechtliche Prüfung eines solchen Vorgehens", bringt die KfB unmissverständlich ihre ohne Zweifel kritische Haltung gegenüber dem angedachten Immobilien- "Deal" zum Ausdruck. "Ein Immobiliengeschäft, das im Zusammenhang mit einem Rechtsverzicht steht, berührt in vielen Punkten rechtliche Aspekte, deren Klärung wesentlich für mögliches Handeln der Stadt ist", betonen Esen-Baur und Hildmann in ihrer Antragsbegründung.

16.08.2011

Taunuszeitung

KfB fordert Klarheit bei "Deals"

In Dringlichkeitsantrag wird Prüfung der Rechtslage von Immobiliengeschäften gefordert – Stadt hält sich bedeckt

Will sich die Stadt den Frieden mit einem Investor erkaufen, der sich bei einem Grundstücksgeschäft benachteiligt gefühlt hat? Wäre das rechtens? Die KfB will zumindest die letztere Frage beantwortet wissen.

Von Boris Schöppner

Kronberg. Grundstücksgeschäfte gehören eigentlich nicht in die Öffentlichkeit. Doch die KfB (Kronberg für die Bürger) sieht jetzt bei einem Grundstücksgeschäft der Stadt grundsätzliche, juristische Fragen berührt und hat einen Dringlichkeitsantrag für die nächste Stadtverordnetenversammlung gestellt und sich mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit gewandt. "Es gibt seitens des Magistrats konkrete Überlegungen, Immobiliengeschäfte als ,Kompensationsgeschäfte‘ durchzuführen", heißt es in der Antragbegründung. Und in der Pressemittelung wird ausgeführt: "Nach Auffassung der KfB ist aufgrund der fehlenden Transparenz ein Vermögensschaden für die Stadt Kronberg zu befürchten."

Die KfB will prüfen lassen, "ob es zulässig ist, städtische Immobilien ohne Kenntnis des Marktwertes und ohne Ausschreibung zu verkaufen." Laut KfB geht es um den Verkauf zweier städtischer Liegenschaften: "Im Brühl 6-8" und "Im Brühl 10". Die KfB hält es für "rechtlich besonders fragwürdig", wenn dieser "marktferne Verkauf von Immobilien in Verbindung mit anderen Rechtsgeschäften" stehe. "Im konkreten Fall, wenn der Verkauf von Immobilien unter dem Vorbehalt des Verzichts auf einen Widerspruch gegen die Ausübung eines städtischen Vorverkaufsrechts auf eine andere Immobilie geschehen soll."

Viel Fantasie ist nicht erforderlich, um dahinter zukommen, dass das Vorverkaufsrecht für den Bahnhof gemeint ist, auch wenn Dr. Heide-Margaret Esen-Baur, Fraktionschefin der KfB, dazu keine Aussage machen wollte. "Es geht darum, grundsätzliche Fragen zu prüfen." Das sei die Vorbedingung für die Meinungsbildung bei diesen "verschachtelten Geschäften", zumal die Stadtverordneten als juristische Laien Schwierigkeiten hätten, "einen solchen Deal" zu beurteilen. Die Politikerin fordert ein transparentes Verfahren, denn bislang sei unklar, "wie hoch der Wert des Klageverzichts bemessen wird und ob dieser angemessen und vertretbar ist". Und: Der Wert solle sich im städtischen Etat wiederfinden. Auch steuerliche Fragen sollten bei der Prüfung geklärt werden.

Andreas Feldmann von der Verwaltungssteuerung der Stadt Kronberg sagte auf Anfrage der Taunus Zeitung, die Stadt werde sich nicht öffentlich zu Grundstücksangelegenheiten äußern. Da der KfB-Antrag sehr juristisch gehalten sei, werde die Stadt die inhaltlichen Aspekte prüfen. Die Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann (CDU) prüfe derzeit, ob die Voraussetzungen für einen Dringlichkeitsantrag erfüllt seien. (öp)

 

13.8.2011

Presseerklärung Dringlichkeitsantrag zur Prüfung der Rechtslage im Fall von Immobiliengeschäften

Vor dem Hintergrund der in die laufende Beratung eingebrachten Drucksache 5020/2011, die den Verkauf der städtischen Liegenschaften "Im Brühl 6-8" und "Im Brühl 10" vorsieht, hat die KfB Fraktion den Dringlichkeitsantrag zur Überprüfung der Rechtslage bei Immobilienverkäufen gestellt.

Gegenstand des Antrags ist es zu prüfen, ob es zulässig ist, städtische Immobilien ohne Kenntnis des Marktwertes und ohne Ausschreibung zu verkaufen. (Im Besonderen ist zu prüfen, ob es ohne öffentliche Ausschreibung zulässig ist, Immobilien unter deren Bilanzwert bzw. unter dem Boden-richtwert zu verkaufen.) Rechtlich besonders fragwürdig ist, wenn dieser marktferne Verkauf in Verbindung mit anderen Rechtsgeschäften steht. Im konkreten Fall, wenn der Verkauf von Immobilien unter dem Vorbehalt des Verzichts auf einen Widerspruch gegen die Ausübung eines städtischen Vorkaufsrechts auf eine andere Immobilie geschehen soll.

Ohne transparentes Verfahren, das sowohl die Kenntnis des Marktwertes einer Immobilie voraussetzt, als auch den Betrag, der von der Stadt für einen Klageverzicht geleistet werden soll, sind Vermögensnachteile für die Stadt zu befürchten. Es bleibt unklar, wie hoch der Wert des Klageverzichts bemessen wird und ob dieser angemessen und vertretbar ist. Nach Auffassung der KfB ist aufgrund der fehlenden Transparenz ein Vermögensschaden für die Stadt Kronberg zu befürchten. Sie plädiert dafür, solche Geschäfte zu trennen und auch getrennt im Haushalt der Stadt auszuweisen (einerseits der Immobilienverkauf über den Markt, andererseits eine Zahlung für den Rechtsverzicht). Angesichts des vom Magistrat in die Beratung eingebrachten Verkaufs der Immobilen "Im Brühl" sieht sich die KfB-Fraktion veranlasst, den Dringlichkeitsantrag zur Prüfung der Rechtslage zu stellen.

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung: Dr. Heide-Margaret Esen-Baur (Tel: 06173 78711) und Gabriele Hildmann (01702336402).

 

 

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