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  • Kronberg für die Bürger

Nachhaltige Mobilität: einfach machen!

Zunächst bedanke ich mich bei allen, die an der Erstellung des Kronberger Mobilitätskonzeptes (SUMP) mitgewirkt haben.


Ich zitiere aus der Kronberger Internetseite: „Ein nachhaltiges Mobilitätskonzept fördert eine Umstellung auf nachhaltigere Verkehrsträger und unterstützt die Integration und ausgewogene Entwicklung aller Verkehrsträger".

So weit so gut.


Was ist bisher herausgekommen: 459 Seiten umfasst das Begleitmaterial für diese Vorlage, für eine überschaubare Kleinstadt von gut 18.000 Einwohnern, für unser Kronberg im Taunus.

Uns ist das Konzept zu schwer, zu umfangreich, zu übergriffig und zu politisch.


Ich komme zurück zum Zitat aus der Kronberger Webseite: Nachhaltige Verkehrsträger.

So nachhaltig der ÖPNV ist, in Kronberg fährt die S-Bahn des Öfteren nicht. Das hat auch der Bürgermeister kürzlich wieder in der Presse moniert. Ein unzuverlässiger ÖPNV schafft kein Vertrauen und keine Umsteiger.


Wir mögen das Bashing des motorisierten / elektrifizierten vierrädrigen Individualverkehrs, heute sagt man noch Auto, nicht. Das drückt sich im Konzept dadurch aus, dass alles zum „Umweltverbund“ gehört, was kein Auto ist.


Wir haben Vertrauen in die Kronberger Bürger, dass diese ihre Kfz in Kronberg maßvoll nutzen und ansonsten, wo immer es möglich ist, zu Fuß gehen, Rad fahren oder den Stadtbus benutzen.

Dass dem so ist, zeigt die Mobilitätserhebung (S. 80): Nur knapp die Hälfte der Wege wurde mit dem Pkw zurückgelegt – 35% zu Fuß oder mit dem Fahrrad, weitere 9% mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Innerhalb Kronbergs wurden sogar die Wege sogar mehrheitlich zu Fuß oder per Fahrrad zurückgelegt. Daraus leitet die Studie „enormes Potenzial“ ab – wir sehen die Zahlen jedoch als Indiz für vernünftiges Verhalten der Bürger.


Ich persönlich bin überzeugter Fußgänger und lege zu Fuß gut 2700 Km pro Jahr zurück, viel davon in Kronberg. Der Fußgängerschutz kommt mir zu kurz, gut gemeint gibt es bspw. in verkehrsberuhigten Zonen keine expliziten Gehwege, was aber den Fußgänger nicht immer schützt. Dies wird auch zu Recht im SUMP kritisiert.


Kronberg wird aufgrund seiner Topografie trotz E-Bikes nie so sehr eine Fahrradstadt sein können wie flache Städte in den Niederlanden.


Zu guter Letzt habe ich noch eine Anmerkung zur Repräsentativität der bisherigen Ergebnisse: gut gefällt mir die Vorgehensweise in Friedrichsdorf, es wurden bisher 3.500 Haushalte befragt und es sollen 1.000 Rückläufe erfolgen, bis eine Repräsentativität angenommen wird. In Kronberg hingegen hat man sich mit nur 330 Rückläufern (11%) zufriedengegeben, obwohl die unteren Altersklassen (10-39 Jahre) unterrepräsentiert waren! Bei der Mobilitätsumfrage haben sich „nur“ 245 beteiligt, davon waren nur 10% älter als 65 (S. 48). Dies ist gerade mit dem Blick auf den heutigen und zukünftig noch steigenden Altersdurchschnitt überhaupt nicht vertretbar. Zum ADFC-Klimatest schreiben die Verfasser selbst, dass „lediglich 115 Personen an der Befragung teilgenommen“ haben (S. 37).


Zieht man die Ergebnisse der Mobilitätsumfrage heran, zeigt diese, dass bereits 1/3 der Befragten entweder kein Auto besitzt oder sich bewusst dazu entschieden hat, möglichst oft Alternativen zu benutzen und das auch in Zukunft beibehalten will. Das ist erfreulich und passt zur bereits angenommenen Vernunft der Kronberger Bürger.


43% hingegen nutzen das Auto und können (26%) oder wollen (17%) daran nichts ändern. Die KfB respektiert diese Bürger und möchte sie nicht durch Restriktionen „umerziehen“. So schreiben die Verfasser (auf S. 82), wie das Ziel "Mobilitäts- und Verkehrswende in Kronberg" (wurde dieses Ziel je beschlossen?) erreicht werden kann: durch Restriktionen im motorisierten Individualverkehr (damit ist das Auto gemeint) wie „Erhöhung der Widerstände (Zeit, Kosten etc), Reduzierung und Bewirtschaftung des Parkraums, gerechte Flächenverteilung und Bündelung des Kfz-Verkehrs“ auf den Hauptverkehrsstraßen (die schon heute häufig überlastet sind). Dabei trifft insbesondere die Steuerung durch höhere Kosten zuerst die Einkommensschwächeren.


Obwohl es heißt, dass Einzelmaßnahmen noch nicht beschlossen werden, wird mit der Vorlage dem Leitziel und den dafür notwendigen Restriktionen zugestimmt. Welche große Bedeutung das Leitbild hat, sieht man auf S. 88.: „Wenn es heißt, "im Sinne der zukunftsfähigen Mobilität in Kronberg im Taunus" zu entscheiden, übernimmt das Leitbild die Funktion dieses "Sinnes" und definiert, was damit gemeint ist.


Und auch wenn die Maßnahmensteckbriefe und Umsetzungsstrategien heute noch nicht mitbeschlossen werden, werden dennoch durch die Konzeptpläne (Anlagen 3a-d) die Handlungsschwerpunkte, die „einen Idealzustand für die Zukunft“ darstellen, beschlossen.

Wir können daher dem Mobilitätskonzept in dieser Form – nämlich ausschließlich zu Lasten der Autofahrer – nicht zustimmen. Nach unserer Auffassung werden damit große Teile der Bevölkerung einseitig benachteiligt.


Wir sind aber für eine reine Kenntnisnahme aufgeschlossen, weshalb wir um Zustimmung für unseren Änderungsantrag bitten. Denn selbstverständlich sind Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer sinnvoll und möglich, aber eben nicht nach dieser pauschalen, einseitigen Konzeption, sondern nach sorgfältiger und auf die Kronberger Bevölkerung einzeln abgestimmter Prüfung.

Außerdem liefert es viele wertvolle Hinweise auf Schwachstellen und Mängel, die schnell näher geprüft und geändert werden sollten. Um nur einige zu nennen:

·       Hecken am Lehrerparkplatz der AKS kürzen

·       Radwege und Einmündungen richtig beschildern

·       Verkehrszeichen ergänzen oder säubern

·       Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr freigeben.


Einfach machen!


So wurde entschieden:

Änderungsantrag KfB abgelehnt mit 9 Ja und 22 Nein

Antrag angenommen mit 22 Ja und 8 Nein bei 1 Enthaltung

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