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  • Dr. Heide-Margaret Esen-Baur

Villa Winter Kulturzentrum


Obwohl keine Dringlichkeit besteht, diesen Beschluss heute zu fassen und wir einen ähnlich formulierten Beschluss vor wenigen Monaten nicht bescheiden wollten, wird von uns heute dennoch eine Abstimmung gewünscht.

Die KfB und auch ich persönlich stehen der Einrichtung eines städtischen Kulturhauses positiv gegenüber.

Doch bevor wir unsere Zustimmung zu einem so weitreichenden Beschluss geben, bitten wir um konkretere Informationen als die, die uns bisher gereicht wurden.

In der Vorlage heißt es, dass a) das Malermuseum im I.OG eingerichtet werden soll b) die Kunstschule im DG c) das Kulturcafé im EG

Bei der Diskussion dieser Vorlage im KSA haben wir erfahren, dass das Malermuseum nicht auf einer, sondern auf zwei Ebenen (I. OG und EG) eingerichtet werden soll, also auch zusammen mit dem Café im EG. Dabei wolle man sich mit mobilen Wänden behelfen. Das Depot, über das in der Vorlage nichts steht, soll im Kellergeschoß eingerichtet werden. Dort besteht aber wohl das Problem von Feuchtigkeit. Wo genau und wie viele Büros und Verwaltungsräume platziert werden sollen, ist noch nicht bekannt.

Nachgefragt nach der Ausstellungsfläche im I.OG haben wir erfahren, dass es sich um etwa 130 qm handelt. Zusammen mit der Ausstellungsfläche im EG sollen es 400 qm Ausstellungsfläche werden. Dieser Darstellung liegen keinerlei aussagekräftige Informationen zugrunde, z. B. Skizzen der Flächen in den verschiedenen Geschossen. Und somit ist es nicht nachzuvollziehen, wie glaubwürdig diese Zahlen sind.

Wir haben auch keine Unterlagen gesehen, aus denen hervorgeht, inwieweit die vorhandenen Räumlichkeiten sich eignen für einen Museumsbetrieb, in dem vorrangig Gemälde ausgestellt werden sollen. Dafür müssten genügend Wandflächen vorhanden sein. Auch der Abstand zwischen den Fenstern ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, ebenso die Deckenhöhe. Über all diese Parameter haben wir keine Information erhalten.

Dies sind nur einige von vielen Fragen, die sich stellen und die in der Vorlage nicht beantwortet sind, die aber vonnöten sind, wenn wir eine vernünftige Entscheidung treffen wollen.

Deshalb bitte ich die Verantwortlichen der Museumsgesellschaft unter Mithilfe der Verwaltung aussagekräftige Informationen zur Verfügung zu stellen, um eine vernünftige Entscheidung treffen zu können. Diese dürften vorhanden sein, bemüht sich doch der Vorstand der Museumsgesellschaft schon seit langem, in die Villa Winter umzuziehen.

Räumliche Anpassungen in der Villa Winter, die einen mit der Streitkirche in etwa vergleichbaren Rahmen bieten, sind auch mit Kosten darzustellen. Möglicherweise sind die vorgesehenen Investitionskosten, die in der Vorlage pauschal mit 105.000 Euro beziffert sind, zu gering. Hinzu kommen die Kosten für die Barrierefreiheit, die hier mit 135.000 Euro veranschlagt werden. Interessant wäre auch zu sehen, wie und wo am Haus dieser Aufzug installiert werden soll. Durch frühere, für die Stadt kostspielige Umbauten, hat das Erscheinungsbild der Villa Winter durch die heutige Dachkonstruktion schon stark gelitten. Mit welchen weiteren Beeinträchtigungen des Erscheinungsbildes dieses historischen Gebäudes müssen wir bei den anstehenden Umbauten jetzt rechnen?

Ist einmal die Entscheidung gefällt, zieht dieser Beschluss eine ganze Reihe weiterer Kosten und Investitionen nach sich, die nicht von Spenden gedeckt sind. Es handelt sich also um ein Projekt, das weit über die Nutzungsänderung der Villa Winter hinausgeht.

Für einen solchen Beschluss sind die uns zur Verfügung gestellten Unterlagen nicht aussagekräftig genug. Und deshalb bitte ich Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Entscheidung nicht auf einer so mageren Datenbasis heute zu fassen. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Entscheidungen getroffen, deren Ausmaß wir erst im Nachhinein erkannt haben. Auf der heutigen Tagesordnung stehen zwei solcher Entscheidungen.

Deshalb möchte ich noch einen Gesichtspunkt in die Diskussion werfen, der in diesem Zusammenhang noch nicht betrachtet wurde. Ein städtisches Kulturhaus ist ein erstrebenswertes Ziel, aber wir sollten einmal auch überlegen, ob dies nicht besser im Hauptgebäude der Rezeptur unterzubringen ist. Das würde das Museum in die historische Altstadt platzieren, wo es im Grunde auch hingehört und auch jetzt beheimatet ist.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Spendengelder für diese Vision nicht verlorengehen würden und auch Investitionen in die Rezeptur wären sinnvoll. Wir sollten das Projekt 'städtisches Kulturhaus' einmal unter den hier geschilderten Gesichtspunkten durchdenken, bevor wir ohne Not heute eine auf ungenügend konkreten Fakten basierende Entscheidung treffen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

#Wortbeitrag #Finanzen #Kultur

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