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Aufwand für Fair Trade Siegel ist nicht verhältnismäßig

  • Autorenbild: Kronberg für die Bürger
    Kronberg für die Bürger
  • 18. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Wir befassen uns heute mit Antrag der SPD, der darauf abzielt, dass sich Kronberg um das Siegel „Fair Trade Stadt“ bemühen soll. Ich möchte begründen, warum wir diesen Schritt aus meiner Sicht nicht gehen sollten.


Lassen Sie mich vorab betonen, dass auch die KfB einen fairen Handel für unterstützenswert hält, dies gilt insbesondere für gerechte Arbeitsbedingungen, nachhaltige Produktionsweisen und Bewusstseinsbildung. Die Frage, vor der wir heute stehen, lautet jedoch nicht, ob wir diese Ziele gutheißen, sondern ob das Fair-Trade-Stadt-Siegel für Kronberg ein wirksames, verhältnismäßiges und sinnvolles Instrument ist.


Aus unserer Sicht sprechen mehrere Gründe dagegen:

Die Erlangung des Siegels erfordert einen erheblichen bürokratischen Aufwand.

Es muss eine Steuerungsgruppe unter Beteiligung der Stadt bzw. der Politik eingerichtet werden. Es müssen regelmäßig Einbindungsmaßnahmen vorgenommen werden und dafür sind Nachweise und Dokumentationen erforderlich. Das bindet personelle Kapazitäten in der Verwaltung und bei denen, die sich ehrenamtlich engagieren. Diese Kapazitäten benötigen wir angesichts wachsender kommunaler Aufgaben anderswo dringender. Wir dürfen uns nicht zusätzliche Verpflichtungen auferlegen, deren Nutzen kaum messbar ist. Wir stehen als Kommune vor erheblichen Aufgaben: Infrastruktur, Mobilität, soziale Angebote, Digitalisierung, Energiewende. Jede Maßnahme, die zusätzliche administrative Pflichten schafft, muss sich an klaren Kriterien der Wirksamkeit und Verhältnismäßigkeit messen lassen. Bei einer symbolischen Auszeichnung wie dem Fair-Trade-Stadt-Siegel ist diese Balance aus unserer Sicht nicht gegeben.


Die Aussagekraft der Fair-Trade-Zertifizierungen ist leider auch umstritten.

Fair-Trade-Zertifizierungen sind international sehr uneinheitlich. Viele Fachleute weisen darauf hin, dass die Zertifizierungslandschaft unübersichtlich geworden ist und dass die Wirkung der Siegel stark von den jeweiligen Standards abhängt. Als Stadt können wir die Qualität dieser Zertifizierungen nicht im Detail prüfen — übernehmen aber mit dem Siegel öffentlich Verantwortung für ihre Wirkung. Diese Form der Anerkennung ist aus meiner Sicht nur dann gerechtfertigt, wenn die Standards eindeutig und überprüfbar wären.


Freiwilliges Engagement sollte im Vordergrund stehen.

Viele Kronberger Geschäfte, Vereine, Schulen, Initiativen sowie Bürgerinnen und Bürger engagieren sich bereits eigenständig für faire Handelsbeziehungen, nachhaltigen Konsum und globale Verantwortung. Dieses Engagement ist wertvoll und authentisch. Es benötigt kein städtisches Siegel, das den Eindruck erweckt, man könne kommunalpolitisch etwas wesentlich Größeres bewirken, als tatsächlich möglich ist.


Meine Damen und Herren, es geht nicht darum, die Idee des fairen Handels zu diskreditieren. Es geht darum, zu prüfen, welche Instrumente für eine Kommune unserer Größe sinnvoll sind und welche nicht. Ein Titel, dessen Wirkung vor allem symbolisch bleibt, rechtfertigt den damit verbundenen Aufwand für Kronberg nicht.

Wir plädieren dafür, auf die Bewerbung zum „Fair Trade Stadt“-Siegel zu verzichten und stattdessen weiterhin lokale Initiativen zu unterstützen, die ohne bürokratische Auflagen und ohne externes Label Verantwortung übernehmen.


Wortbeitrag von Dr. Jochen Eichhorn in der Stadtverordnetenversammlung vom 18.12.2025

Es gilt das gesprochene Wort.

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